Wirtschaft



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15.02.2008
 

Steuerskandal

Zumwinkels Abgang freut Börse - Appel wird Post-Chef

Klaus Zumwinkel hat laut Finanzminister Steinbrück inzwischen zugegeben, Steuern hinterzogen zu haben. Jetzt ist er weg - und seine Nachfolge wird schnell geregelt: Einem Zeitungsbericht zufolge wird Frank Appel neuer Post-Chef, Zumwinkels Ziehsohn im Konzern.

Berlin - Bei der Post wurde heute noch einmal Alltag gespielt: Klaus Zumwinkel ging ins Büro zum Arbeiten. Konzernsprecher Manfred Harnischfeger: "Es gibt keinen Grund für ihn, sich anders zu verhalten."

Es wird allerdings mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Zumwinkels letzter Arbeitstag sein.

Am Montag wird der Aufsichtsrat das Rücktrittsangebot des Post-Chefs annehmen, das Zumwinkel wegen der Ermittlungen gegen ihn eingereicht hatte. Auch in seiner Funktion als Aufsichtsratschef bei der Telekom tritt Zumwinkel zurück, wie das Unternehmen heute Abend mitteilte.

Der Post-Chef soll eine Million Euro über eine Stiftung in Liechtenstein am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben. Er werde bei der Aufklärung eng mit den Behörden zusammenarbeiten, sagte Zumwinkel der "Bild"-Zeitung. "An der Aufklärung der Fragen zu meinen privaten Finanzverhältnissen werde ich mich aktiv beteiligen." Die Deutsche Post sieht der ehemalige Top-Manager gut aufgestellt. "Ich trete in dem Wissen ab, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist."

Tatsächlich trifft der plötzliche Abgang des Konzernvorstands die Post nicht ganz unvorbereitet - Zumwinkels Vertrag wäre ohnehin Ende des Jahres ausgelaufen und Gerüchten zufolge nicht verlängert worden. So hat das Unternehmen auch schon einige Nachfolgekandidaten in Petto. "Die Gesellschafter sind nicht in der Situation, sich in Eile nach einem externen geeigneten Kandidaten umsehen zu müssen", sagte Post-Sprecher Manfred Harnischfeger.

Die Nachfolge soll offensichtlich Logistikvorstand Frank Appel antreten - den Zumwinkel persönlich aufgebaut hat ( mehr: Porträt zu Appel...). Die "Financial Times Deutschland" berichtet, seine Berufung sei so gut wie beschlossen. Am Montag solle der Aufsichtsrat die Personalie beschließen. Sowohl die Bundesregierung als auch die traditionell stark bei der Post vertretene Gewerkschaft Ver.di hätten sich schon für Appel ausgesprochen.

Appel ist seit 2000 in führender Position bei der Post und derzeit als Vorstand zuständig für die Bereiche Logistik und internationales Briefgeschäft. Der promovierte Neurobiologe und ehemalige McKinsey-Unternehmensberater wurde bereits seit Mai vergangenen Jahres als Nachfolger von Zumwinkel aufgebaut. Ursprünglich war der Stabwechsel erst für diesen November vorgesehen, da Zumwinkel zum Jahresende ohnehin zurücktreten wollte.

Auch Finanzvorstand John Allen war im Rennen, allerdings mit schlechteren Chancen. Allan, der früher viele Jahre den britischen Logistiker Exel leitete, kommt zwar vor allem im Finanzmarkt und bei den internationalen Investoren gut an, allerdings ist er Schotte - und hat so wohl eher geringe Chancen, den Chefposten bei einem deutschen Ex-Staatskonzern auf Dauer zu übernehmen.

Börse erfreut - Post-Aktie im Plus

Die Börse reagierte dementsprechend cool auf die Rücktrittserklärung Zumwinkels. Am Nachmittag lag der Aktienkurs des Unternehmens über ein Prozent im Plus, direkt nach Zumwinkels Rücktrittsankündigung war er sogar zwischenzeitlich um über zwei Prozent gestiegen. Zumwinkel galt schon seit längerem als angezählt: Ihm wird der völlig missglückte Einstieg in den US-Markt angekreidet. Der Konzern hat jenseits des Atlantiks schon Milliarden verbrannt - und bislang noch keine überzeugende Lösungsstrategie für die Kehrtwende präsentiert.

Mit Zumwinkels Rücktritt könnte der Weg für eine grundlegende Neuausrichtung des Konzerns frei sein, so hoffen offenbar viele Börsianer. Analysten zufolge besteht auch die Hoffnung auf einen schnelleren Verkauf der Postbank. Zumwinkel hatte sich lange dagegen gesperrt, die Tochter zu veräußern - zuletzt schien er eine Möglichkeit zu suchen, das Geldinstitut mit einem Konkurrenten zu verschmelzen und so schlagkräftiger zu machen.

Trotzdem wird Zumwinkel eine Lücke hinterlassen: Denn bis gestern war der Post-Chef für seine guten Verbindungen in die Politik berühmt. "Es gibt keinen Manager, der derart positive politische Entscheidungen für seinen Konzern durchgesetzt hat wie Zumwinkel. Da wurden Entschlüsse gefasst, die eigentlich nicht zu rechtfertigen sind", sagt ein Analyst.

Bestes Beispiel: Der Post-Mindestlohn, der Wettbewerbern den Einstieg in den Markt zumindest erheblich erschwert. "Er hat die Liberalisierung des Postmarkts quasi ausgehebelt", sagt der Analyst. Eigentlich wollte Zumwinkel nach dem Auslaufen seines Vertrags an die Spitze des Aufsichtsrats rücken und dort weiter Strippen ziehen - doch auch das ist nun hinfällig.

Für viele Postler ist der Zumwinkel-Skandal ein Schock. Postbank-Chef Wolfgang Klein erklärte heute bei der Vorlage einer eigentlich glanzvollen Bilanz: "Das ist für mich ganz schlimm, das ist die persönliche Bewertung." Der Konzern habe "Herrn Dr. Zumwinkel geschäftlich extrem viel zu verdanken." Nach den Razzien in Zumwinkels Büro und in seiner Villa am gestrigen Donnerstag hatten einige Postler laut "Financial Times Deutschland" sogar zunächst von einem "Staatsstreich" gesprochen, den Zumwinkel-Gegner in die Wege geleitet haben sollen. Von seiner Unschuld seien viele Kollegen im Konzern weiter überzeugt, hieß es in dem Bericht.

Die heutigen Nachrichten aus dem Bundesfinanzministerium dürften den Glauben in den Noch-Chef allerdings endgültig erschüttern. Nach Angaben von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat Zumwinkel die Steuerhinterziehung offenbar schon zugegeben. Steinbrück sagte dem Nachrichtensender N24 zu dem Rücktrittsangebot von Zumwinkel, er halte das Angebot für richtig und "auch notwendig, um es ehrlich zu sagen. Weil es der deutschen Öffentlichkeit nicht vermittelbar gewesen wäre, dass jemand, der zugibt, dass er dem Tatbestand der Steuerhinterziehung entspricht, in dieser Funktion bleibt."

ase/dpa/Reuters

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02.01.2011 von sitiwati: also,

solang ich nicht dei Vermögensverhältnisse/ Steuererklärungen der VIPs seh, kann ich über andere kein Urteil fällen ! mehr...

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