Auf die Spur gekommen waren die Fahnder dem Skandal über einen Informanten des Bundesnachrichtendienstes (BND). Der Mann hatte dem BND im Frühjahr 2006 eine DVD mit Informationen über ausländische Investoren und ausländische Finanzströme angeboten. Zudem rund tausend Datensätze, bei denen es sich nach SPIEGEL-Informationen um Korrespondenzen, Depotauszüge, Vermerke aus dem Fundus der LGT-Gruppe - und die Dienstvorschriften des Fürstentums Liechtenstein über die Verschleierung von Finanzströmen handelt.
Den Namen des Mannes kennt niemand, und wie er aussieht, wissen nur die Mitarbeiter des BND und die Wuppertaler Steuerfahnder, mit denen er sich mehrmals traf - bevor er für fünf Millionen Euro die Daten-DVD übergab.
Was die Fahnder für die geforderte Summe bekommen würden, war ihnen zunächst nicht klar - der Name Klaus Zumwinkel stand nicht in den Kostproben, die der Mann anbot. Mindestens zweimal trafen sich die Wuppertaler mit dem Unbekannten, bei dem ersten Treffen brachte der Mann 14 Infohappen aus seiner Datensammlung mit. Es war frische Ware, die belegt, dass rund drei Viertel aller Stifter die deutschen Finanzbehörden hintergehen.
Die Ermittler überschlugen, was die Informationen einbringen könnten - dann stimmten sie zu. Das Geld für die DVD kam direkt aus der Kriegskasse des BND. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) war über die Aktion informiert.
Nach SPIEGEL-Informationen fürchtet der Informant nun um sein Leben, verlangte umfassenden Personenschutz, vor der Staatsanwaltschaft will er nie als Zeuge auftreten. Der Mann hat Angst - denn er hat das Geheimnis der Liechtensteiner Banken gelüftet, Postchef Zumwinkel aus dem Amt gekippt, rund tausend Steuersündern dürfte der Angstschweiß ausbrechen beim Gedanken an die kommende Woche: Dann werden die Steuerfahnder wieder an Haustüren klingeln, in mehreren Städten sind Razzien geplant.
Nach den Worten eines Sprechers Steinbrücks wird gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" ermittelt. Das Ministerium riet Betroffenen zur Selbstanzeige. Die LGT bestätigte per Presseerklärung, dass es im Jahr 2002 bei ihrer Tochter LGT Treuhand einen Datendiebstahl gegeben habe. Ein Jahr später sei der verantwortliche Mitarbeiter verurteilt worden. Nach Informationen des SPIEGEL gehen die Daten der Fahnder weit über das Datum dieses Diebstahls hinaus - demnach hat der BND Informationen über Steuersünder bis Ende 2005.
ssu/AP/AFP/dpa/ddp
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