Vergleichstabelle
Gasversorger erhöhen Preise um bis zu 14 Prozent
Preisschock für Millionen Gaskunden: Rund 140 Versorger erhöhen erneut ihre Tarife, ein durchschnittlicher Haushalt kommt auf Mehrkosten von bis zu 186 Euro. Besonders kräftig langen die großen Energiekonzerne zu - SPIEGEL ONLINE zeigt, wer wie viel zahlen muss.
Hamburg - Die Energiepreise steigen und steigen - und ein Ende ist nicht in Sicht. Erst zum Jahreswechsel hatten Hunderte Gasversorger ihre Tarife angehoben - jetzt startet die nächste Welle. Laut Verbraucherportal Verivox erhöhen mindestens 140 lokale Gasversorger im Frühjahr die Gaspreise. Im Schnitt steigen sie um 6,6 Prozent. Als Grund nennen die Unternehmen gestiegene Beschaffungskosten und das hohe Niveau beim Ölpreis, an den der Gaspreis gekoppelt sei.
DPA
Gasflamme: Die Unternehmen argumentieren mit gestiegenen Bezugskosten
Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden kommt durch die Preiserhöhung auf eine jährliche Mehrbelastung von 85 Euro. Den stärksten Preissprung müssen die Kunden der Stadtwerke Reichenbach im Vogtland hinnehmen: Hier steigt der Gaspreis um 14,1 Prozent, was für einen Musterhaushalt Mehrkosten von 186 Euro bedeutet
(siehe Tabelle).
Überdurchschnittlich hoch fallen auch die Preiserhöhungen bei den Energieriesen EnBW und RWE aus. So hat EnBW Gas eine Verteuerung von 8,3 Prozent zum 1. April angekündigt. Bei RWE Westfalen-Weser-Ems steigen die Preise zur gleichen Zeit sogar um 10,1 beziehungsweise 9,5 Prozent, je nach Lieferregion. Beide Konzerne vermeldeten zuletzt deutliche Gewinnsprünge bei den Betriebsergebnissen.
Verbraucherschützer haben in dieser Woche an die Erdgaswirtschaft appelliert, die angekündigten Erhöhungen zurückzunehmen. Die Preise für Gasimporte seien im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gesunken. Dass die Verbraucher mehr bezahlen sollten, während die Bezugspreise im Großhandel sinken, sei nicht nachvollziehbar. Die örtlichen Gasversorger hätten schon längst die Möglichkeit gehabt, sich aus den langfristigen Bezugsverträgen mit ihren Vorlieferanten zu verabschieden und günstigere Bezugsmöglichkeiten zu erschließen.
Das Verbraucherportal
Verivox rät Gaskunden nun zu einem Preisvergleich, um möglicherweise den Anbieter zu wechseln. Auch Verbraucherschützer rufen dazu auf - sowohl bei Gas als auch bei Strom. So verbucht der Bundesverband der Verbraucherzentralen seine bundesweite Kampagne zum Stromanbieterwechsel als Erfolg. Unter dem Motto "Strom. Jetzt wechseln. Jetzt sparen" setzten sich die Verbraucherschützer gegen Preiserhöhungen bei Stromversorgern zur Wehr. "Ein Wechsel ist einfach und ohne Risiko möglich", teilte der Verband heute mit. Energiekunden könnten auf diese Weise "bares Geld sparen".
Im vergangenen Jahr haben rund zwei Millionen Kunden ihren Anbieter oder Tarif gewechselt. 1,2 Million davon entschieden sich für einen komplett neuen Anbieter - 800.000 Kunden haben einen anderen Tarif beim bisherigen Versorger gewählt. Damit haben sich die Wechselzahlen gegenüber 2006 mehr als verdoppelt.
Anbieterwechsel - so funktioniert's
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden, wobei der Markt hier aber erst langsam in Bewegung kommt. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder seit kurzem auch www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
wal
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