Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.11.1999
 

Kanzler-Gipfel

Holzmann gerettet

Der überschuldete Baukonzern Philipp Holzmann mit 17.000 Beschäftigten in Deutschland ist gerettet. Bundeskanzler Gerhard Schröder überzeugte am Mittwochabend in Frankfurt die Gläubigerbanken, ein milliardenschweres Sanierungskonzept zu finanzieren.

Schaffte die Rettung: Kanzler Gerhard Schröder
Zur Großansicht
AP

Schaffte die Rettung: Kanzler Gerhard Schröder

Frankfurt am Main - Zur Rettung der Nummer zwei der deutschen Baubranche will auch der Bund mit einem Kredit und einer Bürgerschaft von zusammen 250 Millionen Mark beitragen. Holzmann-Chef Heinrich Binder bestätigte, der am Dienstag gestellte Insolvenzantrag werde zurückgezogen. Mehrere hundert Holzmann-Beschäftigte feierten den Kanzler für seine Leistung. Bei einem Scheitern der Sanierung wären - die Zulieferer eingeschlossen - bis zu 60 000 Arbeitsplätze in der Baubranche gefährdet gewesen.

Nach Darstellung Schröders ist mit dem Rettungspaket der größte Teil der 17.000 inländischen Arbeitsplätze gesichert. Er appellierte an die Holzmann-Konkurrenten, sich als faire Wettbewerber zu erweisen. Sie sollten die aktuelle Schwäche von Holzmann bei den gemeinsamen Projekten nicht zu ihrem Vorteil nutzen.

Der Eigenbeitrag des Bundes liegt in einem Eigenkapital sichernden Darlehen seiner Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 150 Millionen Mark. Darüber hinaus wird eine Bürgschaft über 100 Millionen Mark gewährt. Die EU-Kommission muss der Lösung noch zustimmen. Sie signalisierte aber schon die Bereitschaft dazu.

Schröder bedankte sich auch für das Engagement der Banken. Sie seien bis an die Grenzen dessen gegangen, was sie betriebswirtschaftlich verantworten können. Nach bislang unbestätigten Berichten haben die Kreditinstitute ihr Angebot noch einmal um 200 Millionen Mark erweitert.

Bei den ersten Gesprächen zur Sanierung ging es um eine Finanzspritze von etwa drei Milliarden Mark. Bereits am Mittwoch hatten die Kreditinstitute ein sofortiges Darlehen von 100 Millionen Mark gewährt, um das Unternehmen aus den ärgsten Schwierigkeiten zu bringen.

Ausdrücklich würdigte der sozialdemokratische Bundeskanzler auch die Rolle des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). "Dies ist keine Geschichte, die man Parteikunden gut schreiben kann."

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Carl von Boehm-Bezing, betonte, mit dem zusätzlichen Beitrag der Bundesregierung und einem positiven Gutachten über die Zukunftschancen von Holzmann sei es den Kreditinstituten nun möglich geworden, die Sanierung des Baukonzerns aktiv zu begleiten. Die Banken erwarteten nun vom Holzmann-Management das überarbeitete Sanierungsprogramm in die Tat umzusetzen. "Da liegt viel Arbeit vor den Holzmännern."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP