Hamburg - Der Bochumer Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück wirkte zufrieden, als er heute Mittag vor die Kameras trat. In 120 Fällen in dem Steuerskandal habe es Durchsuchungen gegeben, 150 Personen seien betroffen - und in 91 Fällen hätten die Verdächtigen gestanden, verkündete er.
Die Fälle verteilten sich im Wesentlichen auf die Großräume München (34), Frankfurt (17), Stuttgart (24), Hamburg (30) und auf Nordrhein-Westfalen (15). 72 Verdächtige zeigten sich selbst an. Inwieweit dies noch rechtzeitig geschehen ist, um zu einer Strafminderung zu führen, muss nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum im Einzelfall geklärt werden.
Mehrere Geständige haben Krück zufolge schon Abschlagszahlungen geleistet - in Höhe von 27,8 Millionen Euro. Die Summe erhöhe sich täglich. Das Kapital der betroffenen Liechtensteiner Stiftungen belaufe sich bisher auf mehr als 200 Millionen Euro.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am 14. Februar mit ihren Razzien begonnen. Damals durchsuchten die Fahnder auch das Haus des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der kurz darauf von seinem Posten zurücktrat. Im Zentrum des Skandals steht bisher die Liechtensteiner Fürstenbank LGT.
Nach Zumwinkel nahmen die Fahnder weitere Verdächtige ins Visier. Bei den durchsuchten Banken fahndeten die Ermittler Krück zufolge nach Konten oder Schließfächern einzelner Beschuldigter. Einige Bankmitarbeiter stünden im Verdacht, Kunden bei der Geldanlage über Liechtensteiner Stiftungen geholfen und damit Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. An den verschiedenen Aktionen seien acht Staatsanwälte und 139 Steuerfahnder des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligt gewesen, die von Steuerfahndern aus zahlreichen Städten unterstützt worden seien.
Die Razzia im Hause Zumwinkel wurde unter anderem vom ZDF live gefilmt. Medienberichte, dass die Staatsanwaltschaft das ZDF im Vorfeld über die Razzia informiert haben soll, wies Krück zurück. Woher der Sender die Informationen hatte, sei nicht bekannt.
Die Ermittlungen stützen sich auf umfassende Daten, die vor allem Heinrich Kieber, ein ehemaliger Angestellter der Liechtensteiner LGT-Bank, dem Bundesnachrichtendienst (BND) nach SPIEGEL-Informationen im August 2006 zukommen ließ. Insgesamt handelt es sich um 4527 Datensätze über Liechtensteiner Stiftungen und Institutionen, von denen etwa 1400 deutschen Investoren gehören. Rund 65 Prozent der Stiftungen existieren nach Angaben der Ermittler noch heute.
ssu/sil/AP/ddp/Reuters
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