Wirtschaft



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29.02.2008
 

Liechtenstein-Affäre

Rostocker Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen LLB-Erpresser

Für die mutmaßlichen Erpresser der Liechtensteiner Landesbank wird es jetzt ernst. Die Staatsanwaltschaft Rostock erhob heute Anklage gegen die vier Beteiligten - im Falle eines Schuldspruchs drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

Rostock - Die Ankläger legen den Beschuldigten zur Last, sich im Mai 2005 mehr als 2300 verschiedene Kontendaten verschafft zu haben, die zuvor von einem Mitarbeiter der LLB gestohlen worden waren. Die Daten hätten sie dazu benutzt, um zunächst die Kontobesitzer zu erpressen. Die Versuche seien allerdings aus verschiedenen Gründen gescheitert.

Liechtensteinische Landesbank in Vaduz: 11,5 Millionen an Erpresser gezahlt
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AP

Liechtensteinische Landesbank in Vaduz: 11,5 Millionen an Erpresser gezahlt

Anschließend, heißt es in der Anklageschrift, hätten die vier Beschuldigten die Daten der Liechtensteinischen Landesbank selbst angeboten - gegen die Zahlung von 13 Millionen Euro. Für den Fall, dass das Institut die Zahlung verweigere, hätten sie damit gedroht, die Steuerfahndung zu informieren. Für die LLB hätte dies einen beträchtlichen Imageschaden und Kundenverluste bedeutet.

Das Institut habe anschließend in zwei Etappen insgesamt 11,5 Millionen Euro an die Erpresser gezahlt und dafür 1600 Datensätze bekommen. Eine dritte Übergabe gegen die Zahlung weiterer vier Millionen Euro sei durch die Verhaftung des Hauptbeschuldigten verhindert worden.

Die von der LLB gestohlenen Datensätze hätten jeweils die Kontonummer, den Namen des Kontobesitzers samt Adresse und die verbuchten Vermögenswerte umfasst, berichtet die Staatsanwaltschaft Rostock weiter. Die bislang noch nicht an die LLB zurückgegebenen Belegen würden noch gesucht.

Ausgelöst wurde das Verfahren von einem ehemaligen langjährigen Angestellten der LLB: Der 60-Jährige hatte die Namen und Kontendetails von rund 2500 deutschen Kunden kopiert und seinen Arbeitgeber in der gleichen Weise erpresst. Die geforderten 18 Millionen Schweizer Franken sah der biedere Ehemann und Familienvater allerdings nicht: Alles, was seine bemerkenswerte Leistung, Tausende von Kundendaten an internen Sicherungen der Bank vorbeizukopieren, erbrachte, ist eine Haftstrafe. Und aus der, heißt es in Liechtenstein, werde er wohl nie mehr entlassen.

Die Liechtensteiner Behörden hatten allerdings ein entscheidendes Detail übersehen, als sie den Einzeltäter kalt stellten: Wie der SPIEGEL schon Anfang Februar berichtete, kursieren seine Listen nämlich in der Halbwelt, und sie enthalten Daten, die - unabhängig von den Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft - für Unruhe unter Deutschlands Steuersündern sorgen. Auch die Rostocker Staatsanwaltschaft wurde erst nach dem SPIEGEL-Bericht über die bandenmäßige Erpressung der LLB tätig.

mik

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