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Krisengewinnler Wie Wal-Mart von der US-Flaute profitiert

2. Teil: Ein Jahr lang keine Zinsen

Doch heute ist der Gang zu Wal-Mart auch für Verächter oft die letzte Rettung: Die Konjunkturkrise erfasst langsam auch die Besserverdienenden. Die "Latte-Ära", wie Daniel Gross die Prassjahre der teuren Spezialkaffees in "Newsweek" bezeichnete, ist in den USA erst einmal vorbei.

Aktiv lockt Wal-Mart die von der Rezession am ärgsten Betroffenen in sein Netz. Gerade erst verkündete der Konzern Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent für Lebensmittel, Elektronik und Haushaltswaren - das Allernotwendigste also. "Wir alle wissen, dass die Zeiten hart sind", gab sich Wal-Mart-Verkaufschef John Fleming mitfühlend. "Deshalb haben wir vor, das Jahr über mit zusätzlichen Angeboten zu helfen, die sich auf das konzentrieren, was die Leute brauchen." Wal-Mart, der barmherzige Samariter.

Die Realität sieht anders aus: So wie die Hypothekenbanken verführt auch Wal-Mart seine Kunden, fröhlich weiter Schulden zu machen. Wer sich mit einer Wal-Mart-Kreditkarte Waren für mehr als 250 Dollar auf Pump kauft, braucht ein Jahr lang keine Zinsen zu zahlen. Danach kann die Rate allerdings, so das Kleingedruckte, auf 27,49 Prozent explodieren. "'Ambulance chaser' der Rezession", nennt der Blogger Jonathan Tasini das, in Anspielung auf Schadensersatzanwälte, die Krankenwagen mit Unfallopfern hinterherjagen, um mit ihnen Kasse zu machen.

"Die Qualität sinkt"

Ein weiterer Grund für Wal-Marts Erfolg liegt im Auslandsgeschäft. Mehr als 3000 Filialen betreibt der Multi außerhalb der USA, in insgesamt 13 Ländern hat er rund 50 Millionen Kunden. Die internationalen Umsätze stiegen im vorigen Jahr um 17,5 Prozent - und bestritten fast ein Viertel des Gesamtumsatzes.

Wal-Mart sieht sein Heil im Ausland, weil die Umsätze in den USA letztendlich einen Sättigungsgrad erreichen werden. Zumindest dann, wenn es tatsächlich zu einer schweren Rezession mit Inflation kommt, wie viele vorhersagen. In den kommenden zwei Jahren will der Konzern 3,6 Milliarden Dollar in neue Auslandsfilialen stecken, die meisten davon in Kanada, Mexiko und China - und zugleich die Investitionen in US-Läden von sieben auf fünf Milliarden Dollar drosseln.

Allerdings kann diese Strategie auch danebengehen, wie die Vergangenheit zeigt. So verkaufte Wal-Mart alle seine deutschen Filialen 2006 an Metro, nachdem Konzept und Unternehmenskultur hierzulande gefloppt waren - zuletzt hatten sich die Verluste in Deutschland auf drei Millionen Euro belaufen. Auch in Japan fuhr Wal-Mart im vergangenen Jahr fast 200 Millionen Dollar Miese ein.

In den USA gibt es ebenfalls erste Anzeichen für einen Dämpfer, trotz des bisherigen Aufwinds. Die Umsätze amerikanischer Wal-Mart-Filialen, die seit mindestens einem Jahr existieren, stiegen im Januar geringer als erwartet - ein Zeichen, dass selbst die Wal-Mart-Getreuen den Gürtel langsam enger schnallen müssen.

Und: Wal-Mart-Kunden werden immer unzufriedener. Das behaupten zumindest die Ökonomen der University of Michigan, die jedes Jahr die Kundenzufriedenheit bei Amerikas zehn Top-Einzelhändlern ermittelt. Erstmals landete Wal-Mart jetzt auf dem letzten Platz. "Die Kunden haben den Eindruck, dass die Qualität sinkt, aber die Preise nicht entsprechend", sagte der Leiter der Studie, der Wirtschaftswissenschaftler Claes Fornell.

"Siempre precios bajos" - das allein reicht nicht mehr.

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