Wirtschaft


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05.03.2008
 

Tarifstreit

Ver.di legt Flughäfen lahm - Lufthansa streicht 142 Flüge

Chaos im deutschen Flugverkehr: Die Gewerkschaft Ver.di ruft für heute Tausende Beschäftigte zum Warnstreik auf - und will fast alle deutschen Flughäfen lahmlegen. Die Lufthansa reagiert vorauseilend - und annulliert mehr als hundert Flüge.

Hamburg - Reisenden steht ein Tag voller Verspätungen und Stornierungen bevor - mit Frankfurt am Main, Nürnberg, München, Köln-Bonn, Münster, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg und anderen sind die wichtigsten Drehscheiben des Landes betroffen. Die Gewerkschaft Ver.di erhöht mit ihren massiven Warnstreiks den Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber.

Lufthansa-Jets in Frankfurt: Fluggäste können auf die Bahn umsteigen - denn die wird erst ab Montag bestreikt
DDP

Lufthansa-Jets in Frankfurt: Fluggäste können auf die Bahn umsteigen - denn die wird erst ab Montag bestreikt

Die Lufthansa Chart zeigen annullierte vorauseilend 142 Flüge - vor allem Verbindungen innerhalb Deutschlands sind betroffen. Reisende könnten mit ihrem Flugschein die Bahn benutzen. Interkontinentalflüge sollten am Vormittag wie geplant stattfinden.

Der Ausstand soll teils um 4 Uhr beginnen, in Frankfurt am Main um 5.30 Uhr. Allein dort hat Ver.di 12.000 Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport Chart zeigen zum Warnstreik aufgerufen. Der Schwerpunkt der Arbeitsniederlegung liegt auf Personen- und Gepäckabfertigung. Ver.di-Chef Frank Bsirske wird bei einer Kundgebung um 8 Uhr erwartet.

Wann die Streiks beendet werden sollen, hängt nach Angaben von Ver.di-Sprecher Christian Rothländer vom Verhalten der Arbeitgeber ab. "Wir haben das deshalb bewusst offen gelassen." Sollte es keine Behinderungen seitens der Arbeitgeber geben, "gehen wir davon aus, dass es sich im Laufe des Mittags wieder normalisiert".

Am Flughafen in Stuttgart wollen die Beschäftigten nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di ihre Arbeit zwischen 4 und 12 Uhr niederlegen. Direkt betroffen sind außerdem Flughäfen in Saarbrücken, Dortmund, Hannover-Langenhagen und Münster-Osnabrück. Der Flughafenverband ADV will auf Notpläne zurückgreifen. "Wir werden alles dafür tun, dass die Auswirkungen auf Passagiere so gering wie möglich bleiben", sagte ADV-Sprecher Leif Erichsen.

Ver.di setzt mit den Warnstreiks ein deutliches Signal für die Tarifverhandlungen. Es geht um den Abschluss für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten beim Bund und in den Kommunen. Die Gespräche sind festgefahren, sollen aber am Donnerstag in fünfter Runde fortgesetzt werden. Die Arbeitgeber bieten fünf Prozent mehr Lohn, wollen aber gleichzeitig die Arbeitszeiten verlängern. Die Gewerkschaft Ver.di verlangt acht Prozent.

Schon am Dienstag hat Ver.di die Warnstreiks in anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes ausgeweitet, Zigtausende Gewerkschafter waren daran beteiligt. Schwerpunkt waren der Norden und Osten. Ver.di forderte erneut ein verbessertes Angebot und drohte mit regulären Streiks. Von den Aktionen waren alle Bundesländer außer Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland betroffen.

Bsirske: Bisheriges Angebot schamlos

Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte heute vor rund 20.000 Gewerkschaftern in Hannover, entweder gebe es ein akzeptables Angebot der Arbeitgeber oder einen Arbeitskampf. Das Angebot von Bundesregierung und Kommunen sei provokativ, schamlos und ein "billiges Täuschungsmanöver".

In Hannover standen am Morgen Busse und Stadtbahnen still. In Hamburg versammelten sich bei einer Kundgebung 3000 Menschen. In Mecklenburg-Vorpommern waren viele Stadtverwaltungen und kommunale Betriebe betroffen. In Berlin gab es Einschränkungen bei Wasserbetrieben, Stadtreinigung, Betriebshöfen, Verwaltung und Schleusen für Wasserstraßen.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligten sich mehr als 5000 Beschäftigte an den Warnstreiks. In nahezu allen großen Städten blieben laut Ver.di am Vormittag die Ämter und Behörden geschlossen. Viele Kindertagesstätten öffneten erst um 10 Uhr. In Thüringen waren auch Bundeswehreinrichtungen wie ein Truppenübungsplatz und Kasernen betroffen. In Ulm gab es einen spontanen Streik im Nahverkehr. Frank Stöhr, Verhandlungsführer des Beamtenbundes dbb, forderte "endlich ein seriöses Angebot".

Der Warnstreik im Öffentlichen Dienst ist nicht der einzige. Besonders schwer trifft es Pendler und Reisende in Berlin. Dort beginnt Ver.di am Mittwoch, pünktlich zu Beginn der Internationalen Tourismusbörse (ITB), im Tarifkonflikt beim städtischen Verkehrsunternehmen BVG einen unbefristeten Streik. Alle Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen in der Hauptstadt sollen in den Depots bleiben. Nur die S-Bahnen, die zur Deutschen Bahn gehören, fahren.

Allerdings droht auch hier ab Montag Stillstand: Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ist erneut eskaliert - die GDL kündigte einen unbefristeten Totalstreik ab Montag 0 Uhr an.

itz/reh/dpa/AP/Reuters

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