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Millionenprogramm von Pfizer Brutkasten für Biotech-Start-ups

2. Teil: Pfizer verlangt 50 bis 75 Prozent des Firmenkapitals

Deswegen kann Polinsky im Verbund mit vier anderen Mitgliedern eines Beirates ohne Genehmigung der New Yorker Zentrale entscheiden, welche Start-ups aufgenommen wer den - "ich schicke ihnen hinterher ein Memo, mehr nicht". Interessante Neugründungen will er vor allem an den umliegenden Universitäten UCSD, UCLA sowie an den Forschungsinstituten Scripps, Salk und Burnham finden. Wer von ihm angesprochen wird oder sich bei ihm bewirbt, kann innerhalb von vier Wochen mit einer Entscheidung rechnen. Im Tausch gegen 50 bis 75 Prozent der Firmenanteile stellt Pfizer dann für maximal zwei Jahre bis zu vier Millionen Dollar Finanzierung bereit, dazu Büros, Laborflächen und andere Infrastruktur, etwa Gewebeproben oder radioaktive Isotope. Nach zwei Jahren kann der Inkubator das bebrütete Unternehmen übernehmen, es ausgründen oder seine Entdeckungen als Erster lizenzieren. "Wie man es auch rechnet, die Chancen auf einen Ertragsschub für Gründer sind besser, als wenn sie sich mit Wagniskapitalisten einlassen", sagt Polinsky.

Davon muss er die akademische Welt aber erst noch überzeugen. Wie er selber zugibt, halten viele Professoren und Post docs die Kolosse der Pharma-Welt für bürokratisch und langsam. "Wir mussten etwas Aufklärungsarbeit leisten", berichtet Polinsky, der selber an mehreren Start-ups beteiligt war, bevor er bei Pfizer anheuerte. "Aber wir haben nichts zu verbergen. Das Konzept funktioniert nur, wenn wir die Erwartungen der akademischen Gemeinde erfüllen. Wenn sie das Gefühl haben, sie werden bei uns ausgenutzt, können wir dichtmachen."

Seine Missionsarbeit scheint sich nach einem Jahr auszu zahlen. Alle drei Neugründungen in La Jolla berichten, dass sie dank Pfizers Forschungsapparat schnell Zugang zu teuren Geräten bekamen und so viel Zeit und Geld in Millionenhöhe sparten. Alexander Chucholowski, einer von zwei deutschen Mitgründern von RGo Bioscience, sieht die Ehe mit dem Pharmariesen sogar als entscheidenden Vorteil: "Im Gegensatz zu einem Biotech-Start-up müssen wir keine heiße Luft produzieren, um unsere VCs zu beeindrucken. Hier gibt es Meilensteine alle sechs Monate – das ist gut für uns und gut für Pfizer."

Der Inkubator ist zudem ein vergleichsweise preiswertes Experiment. Für den Standort La Jolla sind für die nächsten fünf Jahre 50 Millionen Dollar budgetiert. Zum Vergleich: Pfizers gesamtes Forschungs- und Entwicklungsbudget beläuft sich auf 7,6 Milliarden Dollar im Jahr. Noch bevor La Jolla gefüllt ist, will Polinsky in diesem Jahr zwei weitere Inkubatoren in den Life-Sciences-Hochburgen Boston und San Francisco eröffnen. "Und wenn ich in Island eine bahnbrechende Idee finde, lasse ich mir auch dort etwas einfallen."


© Technology Review, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

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