Berlin - Es sind Gehälter, die sich sehen lassen können: Durchschnittlich erhielten deutsche Top-Manager 2007 knapp 2,9 Millionen Euro, rund 400.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Das berichtet die "Welt am Sonntag" auf der Grundlage eigener Berechnungen. Sie stützt sich dabei auf die Geschäftsberichte der 14 Dax-Unternehmen, die ihre Zahlen bereits veröffentlichten.
Mit einem durchschnittlichen Zuwachs von rund 14 Prozent lagen die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft damit deutlich vor dem der Arbeitnehmer, deren Lohn- und Gehaltszuwachs mit durchschnittlich 1,4 Prozent unter der Inflationsrate lag. In drei der vergangenen vier Jahre hätten die Top-Manager zweistellige Zuwächse bei ihren Bezügen erreicht, schreibt die Zeitung weiter. Von 2003 bis heute hätten die Vorstandsgehälter durchschnittlich um 40 Prozent zugelegt.
Das Ranking der bisher 14 Dax-Vorstandschefs führt Dieter Zetsche von Daimler
an: Er kam 2007 dem Bericht zufolge auf Barzahlungen und eine aktienbasierte Vergütung im Gesamtwert von rund 8,6 Millionen Euro. Auf den folgenden Plätzen liegen Klaus Kleinfeld und Peter Löscher (Siemens
) mit zusammen 8,79 Millionen Euro sowie Harry Roels und Jürgen Großmann (RWE
) mit zusammen 5,605 Millionen Euro.
Rangliste wird sich noch ändern
Die Plätze vier bis zehn belegen Wulf Bernotat (E.on
) mit 5,3 Millionen Euro, Werner Wenning (Bayer
) mit einem Verdienst von 4,4 Millionen Euro, Klaus Zumwinkel (Deutsche Post
) mit 4,3 Millionen Euro, Herbert Hainer (Adidas
), der 4,2 Millionen Euro verdiente, Ekkehard Schulz (ThyssenKrupp
) mit vier Millionen Euro, Ulrich Lehner (Henkel
) mit 3,4 Millionen Euro sowie Hakan Samuelsson (MAN
), der auf 3,3 Millionen Euro kommt.
In den kommenden Wochen werde sich die Rangliste aber noch stark verändern, da Josef Ackermann (Deutsche Bank
), Henning Kagermann (SAP
) und Wolfgang Reitzle (Linde
) noch fehlten, schrieb die Zeitung. Deshalb sei es möglich, dass die durchschnittliche Vergütung für 2007 erstmals über drei Millionen Euro gestiegen sei, hieß es in dem Bericht.
Am stärksten wuchsen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Bezüge im Siemens-Management mit etwas mehr als 50 Prozent, wobei das Ergebnis durch eine Sonderzahlung an den früheren Vorstandschef Kleinfeld in Höhe von 5,75 Millionen Euro verzerrt ist, wie die "Welt am Sonntag" schrieb. Die Siemens-Manager erhielten demnach im Schnitt statt 2,6 fast 3,9 Millionen Euro.
Aktionärsschützer klagen nicht
Als Spitzenreiter beim Pro-Kopf-Einkommen nannte die Zeitung aber die Merck
-Geschäftsleitung mit 4,7 Millionen Euro. Bei Infineon
stiegen die Gehälter dem Ranking zufolge um durchschnittlich 17,2 Prozent, obwohl der Konzern den Verlust aus dem Vorjahr noch ausweitete.
Aktionärsschützer zeigten Verständnis für den erneuten Anstieg. "2007 war ein außergewöhnlich gutes Jahr", sagte Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger laut "Welt am Sonntag". Auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht keinen Anlass zur Klage: "Wir dürfen nicht auf der einen Seite verlangen, dass die Bezüge an den Gewinnkennzahlen ausgerichtet werden sollen, und andererseits kritisieren, wenn in wirtschaftlich guten Zeiten die Gehälter ansteigen."
sam/AP
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