Wirtschaft



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13.03.2008
 

Steueraffäre

Schweizer Ex-Banker startet Website für Informanten

Hier können Insider auspacken: Ein Schweizer Ex-Banker hat eine Website gegründet, auf der sich Geheiminformanten austauschen können. Ganz nebenbei sollen wertvolle Tipps für Steuerfahnder abfallen.

Hamburg - Manche halten Rudolf Elmer für einen Verräter. Für andere ist er einfach nur ehrlich. Jahrelang war er Manager bei der Schweizer Bank Julius Bär, dann wechselte er die Seiten. "Ich will, dass die Finanzwelt moralischer und ethischer wird", begründet der 53-Jährige den Schritt auf seiner Website.

"Whistleblower"-Website: Hier können Informanten ihr Wissen anonym preisgeben
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"Whistleblower"-Website: Hier können Informanten ihr Wissen anonym preisgeben

Elmer verfügt über große Mengen von Kontodaten reicher Kunden, darunter etliche Deutsche. Sie sollen ihr Geld an einem höchst verschwiegenen Platz geparkt haben: auf den Cayman-Islands, einer Inselgruppe in der Karibik, südlich von Kuba. Die Informationen lassen erahnen, wie aktiv manche Bank Geldflüsse verschleiert - und damit der Steuer entzieht.

So wie ihm selbst könnte es vielen anderen gehen, vermutet Elmer. Bank-Insider, die über brisante Informationen verfügen, die auspacken wollen - die aber nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Für solche "Whistleblower" hat Elmer jetzt eine Web-Site ins Leben gerufen: www. swisswhistleblower.com. Hier können Informanten ihr Wissen preisgeben, natürlich auch anonym, und sich untereinander austauschen.

Brandbrief gegen den früheren Arbeitgeber

Dabei geht es nicht so sehr um die großen Deals wie bei jenem Informanten, der vom Bundesnachrichtendienst rund fünf Millionen Euro für geheime Steuerdaten aus Liechtenstein erhalten hat. Elmer hat die vielen kleinen Mitwisser im Visier, die das schlechte Gewissen plagt.

Vor wenigen Wochen hatte Elmer mit einem Brandbrief gegen seinen früheren Arbeitgeber für Aufsehen gesorgt. Öffentlich listete er vermeintliche Praktiken auf, "die die Bank Julius Bär anwendete". Nicht nur die Kunden, sondern auch die Bank selbst soll demnach Steueroasen für eigene Zwecke nutzen. Die Berliner Steuerfahndung nahm im vergangenen Jahr Vorermittlungen auf, hessische Fahnder haben ebenfalls zu ermitteln begonnen.

Die Bank selbst schweigt zu den Anschuldigungen. Zu den "in verschiedenen Dokumenten erhobenen Verleumdungen" nehme man "keine Stellung", erklärte das Institut im SPIEGEL. Aktiv wurde Julius Bär allerdings gegen die Internet-Enthüllungsseite Wikileads. Hier tauchten vor Wochen teils echte, teils gefälschte Kundenunterlagen aus der karibischen Bär-Filiale auf - offenbar von Elmer. Die Bank-Juristen verklagten die Betreiber, die Internetadresse www.wikileaks.org wurde vom Netz genommen.

Selbsthilfegruppe für Aussteiger

Nun reagiert Elmer mit einer eigenen Enthüllungsseite - und ruft andere Informanten auf, ihre Geschichte ebenfalls zu erzählen. Seit gestern ist die Seite live, bisher hat sich allerdings noch niemand gemeldet, im Gästebuch findet sich kein Eintrag. Spannend könnte es trotzdem bald werden: Elmer kündigt für Anfang April einen zweiten Brandbrief, einen "Whistleblower letter", an. Möglicherweise dokumentiert er weitere Details aus seinem früheren Bankleben.

Das Ziel seines Projekts benennt Elmer offen: Ihm gehe es darum, "Regierungen und Institutionen in ihrem Kampf gegen Steuerflucht, Betrug und anderes unmoralisches Geschäftsgebaren zu unterstützen". Die Informationen, die demnächst auf der Seite zusammenlaufen, sollen außerdem dazu beitragen, "Unternehmen vor Gericht zu bringen".

Elmer selbst hat sich mittlerweile nach Mauritius zurückgezogen. Er fühlt sich von seinem früheren Arbeitgeber verfolgt, zeitweilig befand er sich in psychologischer Betreuung. Seine Website erfüllt deshalb noch einen zweiten Zweck: Andere "Whistleblower" sollen ihre eigenen Erfahrungen erzählen. "Was haben Sie durchmachen müssen?", fragt Elmer die Besucher seiner Seite. "Auf welche Weise wurden Sie eingeschüchtert?"

So gesehen ist der Ex-Banker nur am Rande an der Aufdeckung weiterer Steuerdelikte interessiert. Ihm scheint es vor allem um eines zu gehen: eine Selbsthilfegruppe für Aussteiger.

wal

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