Wirtschaft



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13.03.2008
 

Dollar-Krise

Anleger fliehen zu Gold und Euro

Von Alexandra Sillgitt

Die Dollar-Krise provoziert drastische Entwicklungen an den Märkten: Gold und andere Rohstoffe sind begehrt und teuer wie nie - und der Euro hat die 1,56-Dollar-Marke geknackt. Löst er jetzt den Dollar als Leitwährung ab?

Hamburg - Der Dollar ist angezählt: Gegenüber dem japanischen Yen ist die US-Währung heute auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren gefallen. Erstmals seit Ende 1995 kostete der Dollar weniger als 100 Yen. Der Euro ist hingegen nicht aufzuhalten: Zeitweise lag er heute bei über 1,56 Dollar, die Marke von 1,60 Dollar scheint in greifbarer Nähe.

Der Euro mausert sich zur neuen Leitwährung - zumindest neben dem Dollar. "Der Euro wird die US-Währung sicher nicht ablösen", sagt Bernhard Herz, Währungsexperte an der Uni Bayreuth, zu SPIEGEL ONLINE. Aber er könne "ein gleichberechtigter Mitspieler" sein.

Euro und Dollar: Der Euro gewinnt gegenüber dem Dollar als Reservewährung
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AFP

Euro und Dollar: Der Euro gewinnt gegenüber dem Dollar als Reservewährung

Gründe für die Dollar-Schwäche sind die schwache US-Konjunktur, der schrumpfende Zinsvorsprung und die schwelende Kreditkrise. Außerdem nehmen die Defizite in der Leistungs- und Handelsbilanz der USA allmählich bedrohliche Ausmaße an. Das Vertrauen internationaler Anleger in Währung und Wirtschaft sind erschüttert - und solange der Dollar sich nicht stabilisiert, wird sich daran auch kaum etwas ändern. Ein Teufelskreis.

Währungsexperten zufolge verkaufen Investoren derzeit den Greenback und legen ihr Geld in Sachwerten wie Gold oder Öl an, um dem Wertverfall zu entgehen. Kein Wunder, dass sich auch die Rohstoffpreise auf neuen Höchstständen befinden: In London kostete Gold heute so viel wie nie zuvor. Für eine Feinunze wurden zwischenzeitlich über 1000 Dollar fällig. Zuvor hatte schon der Ölpreis ein neues Allzeithoch erreicht. Und ein Ende der Rekordjagd scheint nicht in Sicht - vorerst auch nicht beim Euro.

Aus der Schwäche des Dollar zieht der Euro seine Stärke: Auf der New Yorker Einkaufsmeile Fifth Avenue akzeptiert so mancher Händler die Währung aus der alten Welt bereits als Zahlungsmittel neben dem Dollar. "Im Bargeldbereich ist der Euro führend", sagt Werner Becker, Analyst bei der Deutschen Bank. "Der Dollar ist nur noch die Nummer zwei."

Die Scheichs müssen die "Erlösstränge diversifizieren"

Auch im Rechnungswesen bestehe die Tendenz zur Abkopplung vom Dollar, sagt Herz von der Uni Bayreuth. Dies befeuert Spekulationen, wonach einige Ölexporteure mit dem Gedanken spielen, ihre Geschäfte nicht mehr in der US-Währung abzurechnen. Zwar beteuerte Saudi-Arabien gestern, am Dollar festzuhalten. Doch glaubt Herz nicht, dass sich die Scheichs das auf Dauer leisten wollen.

Eine völlige Loslösung vom Greenback hält der Finanz-Experte allerdings für unwahrscheinlich. Der Dollarkurs werde wieder steigen respektive der Euro verlieren. "Für die Scheichs ist es daher sinnvoll, ihre Erlösstränge zu diversifizieren."

Auch als Reservewährung wird der Euro gegenüber dem Dollar zulegen - ihn jedoch nicht ablösen. Laut Becker von der Deutschen Bank erreichte der Anteil der US-Währung an den globalen Devisenreserven 2001 mit über 71 Prozent einen Höchststand - und fiel dann bis Ende 2006 unter 65 Prozent. Demgegenüber machte der Euro Boden gut: Sein Anteil ist von 18 Prozent im Jahr 1999 auf etwa 25 Prozent Ende 2003 gestiegen - und verharrt seither auf diesem Niveau.

"Unter Umständen liegt er jedoch höher", sagt Becker. China und Taiwan würden dem Internationalen Währungsfonds zwar den Umfang ihrer Polster regelmäßig melden, aber keine Währungsverschlüsselung mitliefern.

Bis Ende 2010 geht die Deutsche Bank davon aus, dass die Gemeinschaftswährung ihren Anteil an den internationalen Währungsreserven auf 30 bis 40 Prozent ausbauen wird. Gründe seien neben der hohen Wechselkursanfälligkeit des Dollar der wachsende Anlagebedarf, die zunehmende Renditeorientierung der Notenbanken und die Änderungen in der Wechselkurspolitik. So etablierte China bereits 2005 einen Währungskorb mit dem Euro als Kernelement und löste sich damit vom Dollar. Erst gestern empfahl Chinas Handelsminister, es seinem Land gleichzutun und Reserven in vielen verschiedenen Währungen zu halten.

Der Vertrauensverlust ist groß, auch Jordanien kündigte an, seine Dollarreserven zu reduzieren. Doch nicht alle Experten begrüßen diesen Schritt. "Das ist der falsche Weg", sagt Michael Schubert von der Commerzbank. Würden große Mengen Dollar verkauft, würde der Kurs weiter geschwächt, der Wert der eigenen Reserve weiter gemindert.

Mit Material von dpa

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