Berlin/München - Heizöl ein Drittel teurer, massive Spritpreissteigerungen - im Vergleich zum Vorjahr sind es vor allem die Energiepreise, die Bürger in Deutschland tiefer in die Tasche greifen lassen als im Vorjahr. Obwohl der Anteil der Energie an den Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte weniger als zehn Prozent ausmacht, verursacht er fast ein Drittel der Teuerung, ermittelte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.
Auch die im vergangenen Jahr gestiegenen Preise für Lebensmittel sorgen für eine hohe Inflationsrate von 2,8 Prozent. In den vergangenen Wochen blieben die Nahrungsmittelpreise aber stabil. Butter und Gemüse wurden sogar billiger.
Die steigenden Benzinpreise waren ein erheblicher Kostenfaktor für die Verbraucher: Im Jahresvergleich stiegen die Preise für Diesel um knapp 16 Prozent und für Super um knapp 10 Prozent, wie die Statistiker ermittelten. Auch Strom verteuerte sich überdurchschnittlich um rund sieben Prozent. Die Preise für Gas gingen im Jahresvergleich leicht um 1,4 Prozent zurück. Jedoch heben viele Versorger die Preise zu März oder April an.
Die Preise für Lebensmittel stiegen im Jahresvergleich um 7,8 Prozent, vor allem Molkereiprodukte, Eier, Obst und Brot waren im Februar 2008 deutlich teurer als im Februar 2007. Im Vergleich zum Vormonat blieben die Preise aber insgesamt stabil. Deutlich günstiger wurden den Statistikern zufolge vor allem Eisbergsalat und Tomaten, auch Butter wurde wieder billiger - im Vergleich zum Dezember sogar um 13,7 Prozent. In den Supermärkten kostet das Pfund Butter mit 79 Cent zurzeit wieder so viel wie vor den Preiserhöhungen im Winter. Grund ist das derzeit große Milchangebot auf dem Weltmarkt. Um rund sechs Prozent teurer im Vergleich zum Januar wurden dagegen Schokoladentafeln.
Kaffee wird zum Investitionsobjekt
Der Preis für Kaffee stieg unverhältnismäßig stark an. "In den vergangenen Monaten haben wir Preisaufschläge von etwa 30 bis 40 Cent je Pfund gesehen", sagte der Geschäftsführer des deutschen Kaffeeverbandes, Holger Preibisch. Ein Pfund Röstkaffee kostete im Januar in Deutschland im Schnitt 3,92 Euro. Dies sei auf anziehende Energiepreise und die drastisch gestiegenen Einkaufskosten bei Rohkaffee zurückzuführen.
Der internationale Preis für Rohkaffee kletterte laut Verband innerhalb eines Jahres um 33 Prozent. Auch für das laufende Jahr rechnet Preibisch nicht mit einer Entspannung: "Kaffee wird sicher nicht günstiger werden. Eher im Gegenteil. Allein im Januar und Februar ist der Rohkaffeepreis erneut um 20 Prozent gestiegen."
Eine Ursache für den Preisanstieg sei, dass Kaffee zunehmend als finanzielles Investment interessant werde, erklärte der Verband. Kaffee sei gemessen am Handelswert inzwischen das weltweit zweitwichtigste Handelsgut nach Rohöl. Der Einbruch an den Aktienmärkten sowie die Immobilienkrise in den USA verstärkten die ohnehin bereits große globale Nachfrage nach Rohstoffen. Dies lasse die Kurse für Rohkaffee an den Börsen in New York und London seit Monaten steigen. Neben einer stetig steigenden Nachfrage bei Konsumenten komme hinzu, dass für das laufende Erntejahr mit einem Ernterückgang von gut sieben Prozent gerechnet werde.
| So tief müssen Verbraucher in die Tasche greifen | |
| Die zehn größten Preissprünge | |
| 1. Gebühr Volkshochschule/Studiengebühren | plus 130 Prozent |
| 2. Zitronen | plus 58,5 Prozent |
| 3. Musikdownload | plus 54,2 Prozent |
| 4. Hörbücher auf CD | plus 52,6 Prozent |
| 5. Speisequark | plus 45,8 Prozent |
| 6. Mehl | plus 34,6 Prozent |
| 7. Extra leichtes Heizöl | plus 32,9 Prozent |
| 8. Frische Vollmilch | plus 30,9 Prozent |
| 9. H-Milch | plus 29,1 Prozent |
| 10. Schnittkäse | plus 27 Prozent |
| Die zehn stärksten Preisrückgänge | |
| 1. Paprikaschoten | minus 29,6 Prozent |
| 2. Notebooks | minus 29,3 Prozent |
| 3. Personalcomputer | minus 22,1 Prozent |
| 4. Mobiltelefone | minus 20,8 Prozent |
| 5. PC-Anwendersoftware | minus 20 Prozent |
| 6. Fernsehgeräte | minus 19,1 Prozent |
| 7. Kopf- und Eisbergsalat | minus 18,4 Prozent |
| 8. Eintritt Vergnügungspark | minus 16 Prozent |
| 9. Digitalkameras | minus 13,3 Prozent |
| 10. Tomaten | minus 11,5 Prozent |
| Quelle: Statistisches Bundesamt. Vergleichszeitraum: Februar 2007 | |
Insgesamt stiegen die Preise von Januar auf Februar leicht um 0,5 Prozent. Das lag laut Statistischem Bundesamt vor allem an saisonbedingten Preiserhöhungen wie für Pauschalreisen oder Übernachtungen.
Die hohe Inflation sorgt dafür, dass sich die deutschen Arbeitnehmer trotz eines Anstiegs ihres Einkommens nicht mehr leisten können. Wie aus einer Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung hervorgeht, stieg das Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers mit Frau und zwei Kindern zuletzt im Jahr 2004 preisbereinigt leicht an, und zwar um 0,4 Prozent. In den Jahren 2005 bis 2007 dagegen machten die Preissteigerungen die leichten Einkommenszuwächse zunichte. Die Kaufkraft sank 2005 und 2006 um jeweils 1,1 Prozent, 2007 sogar um 1,3 Prozent. Bei ledigen Arbeitnehmern ist die Entwicklung ähnlich.
Trotz der hohen Inflationsrate gehörte Deutschland im Ländervergleich nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Februar aber noch zu den Ländern mit den niedrigsten Preissprüngen. Ein geringerer Wert wurde noch in den Niederlanden (2,0 Prozent) gemessen, besonders hohe in Lettland (16,5 Prozent), Bulgarien (12,2 Prozent) und Estland (11,5 Prozent).
Dadurch stieg die Teuerung im Eurogebiet im Februar auf Rekordniveau. Die jährliche Inflationsrate kletterte auf 3,3 Prozent nach 3,2 Prozent in Vormonat, wie Eurostat. Die Behörde setzte damit eine frühere eigene Prognose um 0,1 Punkte nach oben. Wie es bei Eurostat hieß, habe es seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999 niemals eine so hohe Inflation gegeben.
| Teures Deutschland - Inflation im Februar 2008 | ||
| Veränderung geg. Vorjahresmonat in Prozent |
Veränderung geg. Vormonat in Prozent |
|
| Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | 7,4 | 0,1 |
| Alkoholische Getränke, Tabakwaren | 1,4 | 0,4 |
| Bekleidung und Schuhe | 1,4 | 1,6 |
| Wohnung, Wasser, Strom, Gas, usw. | 2,8 | 0,3 |
| Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte u.ä. | 1,7 | 0,2 |
| Gesundheitspflege | 1,5 | -0,1 |
| Verkehr | 4,3 | -0,1 |
| Nachrichtenübermittlung | -3,0 | -0,4 |
| Freizeit, Unterhaltung u.ä. | -0,7 | 1,8 |
| Bildungswesen | 34,9 | 0,6 |
| Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen | 2,2 | 1,4 |
| andere Waren und Dienstleistungen | 2,3 | 0,3 |
| Inflation gesamt | 2,8 | 0,5 |
| Quelle: Statistisches Bundesamt | ||
sto/AFP/dpa/AP
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