Hamburg - Gleich für Montag hat US-Präsident George W. Bush zur Krisensitzung gerufen: Mit Finanzminister Henry Paulson, Notenbankchef Ben Bernanke sowie den Chefs der Börsenaufsicht SEC und der Commodity Futures Trading Commission will er über die Börsenbeben der vergangenen Woche und mögliche weitere Maßnahmen gegen die Kreditkrise beraten. Die Eile, mit der das Treffen einberufen wurde, wundert nicht. Den Börsen steht eine harte Woche bevor, das ist jetzt schon sicher.
Gleich vier große US-Investmentbanken werden ihre Quartalszahlen vorlegen - und die Angst vor bösen Osterüberraschungen infolge der Kreditkrise ist groß. Vor allem nach dem Schock vom Freitag: Da entging Bear Stearns
Mit Sorge blicken Experten nun auf den Montag, da wird Bear Stearns das Ausmaß der Probleme erläutern. Das Investmenthaus hat die Veröffentlichung der Bilanz von Donnerstag vorgezogen - dies könnte bedeuten, dass etwas Wichtiges verkündet werden solle, sagt Rebecca Engmann Darst, Analystin bei der Interactive Brokers Group. Es gebe Spekulationen, dass Bear Stearns Ziel einer Übernahme werden könnte, möglicherweise durch JPMorgan Chase - das wäre noch ein glimpfliches Ende. Dem "Wall Street Journal" zufolge wird tatsächlich fieberhaft ein Käufer für die Bank gesucht. Offen sei aber, ob die Investmentbank zuvor zerschlagen oder als Ganzes verkauft werden soll. Doch für das Investmentbanking und den Aktien- und Anleihenhandel wird es wegen der Finanzkrise wohl kaum Interessenten geben.
Wenig hoffnungsfroh stimmt auch eine Erklärung des chinesischen Brokerhauses CITIC Securities, es könne nicht garantieren, dass es die angepeilte Investition von etwa einer Milliarde Dollar in Bear Stearns tatsächlich tätigen werde. Beide Seiten hatten sich im Oktober eigentlich auf eine strategische Allianz verständigt, die eine gegenseitige Beteiligung vorsah und mit der Bear Stearns seine Präsenz in Asien stärken wollte.
Auch bei den übrigen Investmentbanken könnte es weitere Abschreibungen infolge der Kreditkrise geben. Am Dienstag stehen die Zahlen von Lehman Brothers
und Goldman Sachs
an; am Mittwoch folgt Morgan Stanley
. Die Aktienkurse aller vier Geldhäuser haben in den vergangenen Wochen stark nachgegeben. Auch die Prognosen ihrer Geschäftsentwicklung wurden deutlich nach unten korrigiert.
Mit Bangen erwarten Börsianer auch die US-Erzeugerpreise, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und den Konjunkturindex der Federal Reserve von Philadelphia am Donnerstag. Dabei werde immer eine Frage im Vordergrund stehen: "Ist die Wirtschaft im Februar in einer Rezession gerutscht?", sagte Hugh Johnson von Johnson Illington Advisors.
Von noch größerem Interesse für den Markt wird aber die Zinsentscheidung der Fed sein, deren Offenmarktausschuss am Dienstag tagt. Es wird mit einer weiteren Senkung der Leitzinsen gerechnet, möglicherweise um bis zu 100 Basispunkte. Allerdings sind die Einflussmöglichkeiten der Fed inzwischen begrenzt - wie sich in der vergangenen Woche schon zeigte. Da hatte Fed-Chef Ben Bernanke zusammen mit anderen Zentralbanken mehr als 200 Milliarden Dollar in den Märkte gepumpt, um die Liquidität der Wirtschaft zu sichern. Nach einer kurzen Erholung an der Börse verpuffte die Wirkung binnen weniger Tage. Das Misstrauen ist einfach zu groß.
Zudem steckt die Fed in der Zwickmühle. Sollte sie sich tatsächlich dazu entschließen, den Zins von jetzt drei auf dann zwei Prozent abzusenken, würde das den Druck auf den ohnehin schon superschwachen Dollar noch weiter erhöhen. Fällt die Zinssenkung aus Sicht der Wirtschaft aber zu zögerlich aus, wird die US-Konjunktur weiter schwächeln - was wiederum den Wertverfall des Dollars vorantreiben würde. Insofern wird wohl auch das Treffen im Weißen Haus am Montag vor allem von Ratlosigkeit geprägt sein. Aber immerhin: Es ist ein Signal, dass die US-Regierung noch nicht aufgegeben hat.
ase/AP/dpa/Reuters
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