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Französisch-Guayana Sarkozys Häscher machen Jagd auf Goldgräber

2. Teil: Auch im Puff ist die Währung Gold

So ist die "Operation Anakonda" nur eine weitere Episode in einem endlosen Katz-und-Maus-Spiel. Meistens gewinnen die Mäuse: Schon wenige Tagen nach dem Angriff der Gendarmen sind die Garimpeiros wieder am Werk. Auf geheimen Dschungelpfaden und Urwaldflüssen schmuggeln sie Pumpen, Werkzeug und Dieselgeneratoren aus Brasilien in den Urwald. Sie roden die Bäume, vertreiben die Tiere und verseuchen die Flüsse mit Quecksilber, das sie zum Trennen des Golds vom Gestein benutzen.

Zurück bleibt eine Mondlandschaft: Tümpel, die sich in Brutstätten für Malaria-Mücken verwandeln, rot aufgerissene Erde, verwüstete Vegetation. Mit jedem Anstieg des Goldpreises wird ein Stück vom Regenwald geopfert.

Französisch-Guayana ist zwar Euro-Land, aber die eigentliche Währung an der Grenze ist Gold. "Jeder für sich und Gott für alle", steht über der Hütte von Edson Clayton da Silva. Es ist sein Lebensmotto: Edson ist der Herr über Ilha Bela ("Schöne Insel"), einen Archipel im Rio Oiapoque. Die Insel, die zu Brasilien gehört, ist der wichtigste Versorgungsposten für die Garimpeiros von Sikini. Über 400 Bretterbuden stehen auf dem Eiland, die meisten sind Bars und Bordelle.

Edson besitzt den größten Laden von Ilha Bela, er hat das einzige Funkgerät und betreibt ein rustikales Restaurant. Vor allem aber kauft er Gold auf: Er ist die wichtigste Anlaufstelle für die Garimpeiros. Über seinem blauen T-Shirt trägt er eine Goldkette, auf dem Tresen steht eine Waage, sein wichtigstes Arbeitsgerät. Daneben liegen Bündel von Euros und brasilianischen Real.

Die Hölle auf Erden

Man kann sein Mittagessen mit Nuggets berappen, ein "Programm mit Madame" im örtlichen Puff oder einen neuen Bootsmotor. Edson zahlt schlecht, aber er hat das Monopol auf Ilha Bela. Er ist seit sieben Jahren hier und ein reicher Mann. Einmal im Monat fliegt er mit einem Hubschrauber nach Cayenne, wo er das Gold mit einem ordentlichen Profit weiterverkauft. Er selbst hat nie geschürft: "Ich habe noch nie einen Garimpeiro gesehen, der reich geworden ist", sagt er. "Das Gold, das sie aus der Erde holen, reicht gerade zum Überleben."

Reich werden nur Leute wie Edson: Die Aufkäufer, die Zwischenhändler, die Bordellbesitzer, die Geschäftsleute in Cayenne und Europa. Sikini dagegen ist die Hölle auf Erden: Bis zu den Knien stehen die Garimpeiros im Schlamm an ihren Pumpen, die meisten leiden an Malaria.

Goldsuche ist Schwerstarbeit: Mit dieselbetriebenen Pumpen saugen die Garimpeiros Wasser an, mit Hochdruck spülen sie die Erde auf. Das Gemisch aus Wasser, Schlamm und - mit Glück - etwas Gold wird auf eine mit einem Teppich bespannte Holzrutsche geleitet. Dort setzen die Garimpeiros hochgiftiges Quecksilber zu, um das Gestein vom Metall zu trennen. Die Flüsse der Region sind von den Sedimenten braun gefärbt, das Quecksilber verseucht die Fische und über die Nahrungskette Indios und andere Flussanwohner, auch in Brasilien.

Umweltschützer fordern daher, dass auch die Regierung in Brasília endlich gegen die Garimpeiros vorgeht. Das wäre vor allem für Edson schmerzhaft, denn das Militär müsste wohl als erstes Ilha Bela räumen.

Denn die Insel ist nicht nur der wichtigste Versorgungsstützpunkt für die Garimpeiros von Sikini. Sie liegt auch in einem Nationalpark.


"Schmutziges Gold": Lesen Sie in der Titelgeschichte des aktuellen SPIEGEL alles über das mörderische Schuften für den Luxus der Reichen

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