Mittwoch, 10. Februar 2010

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19.03.2008
 

Rekord trotz Finanzkrise

Visa vor größtem Börsengang der US-Geschichte

Der US-Kreditkartenanbieter Visa schreibt Börsengeschichte: Obwohl die Wall Street wegen der Kreditkrise eine Horrorwoche erlebt, hat das Unternehmen seine Papiere zu Höchstpreisen verkauft. Der IPO wird mindestens 18 Milliarden Dollar einbringen - ein neuer US-Rekord.

New York - Eigentlich könnte man meinen, dass die internationale Finanzkrise nicht eben ein günstiger Zeitpunkt für den Börsengang eines Kreditkartenanbieters ist. Doch Visa belehrt Beobachter eines Besseren. Das Unternehmen habe 406 Millionen Aktien für je 44 Dollar verkauft, sagte ein Mitarbeiter von einer mit dem Börsengang beauftragten Bank gestern. Das ist ein weit besserer Preis als von Analysten erwartet, die mit 27 bis 42 Dollar je Anteilsschein gerechnet hatten.

Hinweisschilder an einer Ladentür: Auch Kreditkartenanbietern drohen wegen der Kreditkrise hohe Ausfälle
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AFP

Hinweisschilder an einer Ladentür: Auch Kreditkartenanbietern drohen wegen der Kreditkrise hohe Ausfälle

Die Aktie wird ab heute an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel V.N gehandelt. Je nach Nachfrage will Visa bis zu 40,6 Millionen weitere Aktien nachschießen, so dass sich das Volumen des Börsengangs auf bis zu 19,7 Milliarden Dollar erhöhen könnte. Der Visa-Konzern, der einem Konsortium aus US-Banken gehört, folgt mit dem Börsengang seinem Konkurrenten MasterCard, der vor zwei Jahren an die Börse gegangen war.

Mit den anvisierten Einnahmen wird der Visa-Börsengang aller Voraussicht nach der größte der US-Geschichte. Bislang führte der Telekomkonzern AT&T mit einem Erlös von 10,6 Milliarden Dollar im Jahr 2000 die Liste an. Spitzenreiter weltweit ist die chinesische Bank ICBC mit ihrem Doppel-IPO in Hongkong und Shanghai im Jahr 2006, der ihr 22 Milliarden Dollar in die Kassen spülte.

Fed senkt Leitzins auf 2,25 Prozent

Dabei hätte sich Visa wohl kaum ein unfreundlicheres Marktumfeld für den Börsengang suchen können. Immerhin gelten Kreditkartenanbieter als die nächsten potentiellen Opfer hoher Zahlungsausfälle, nachdem das Hypothekengeschäft schon zusammengebrochen ist. Die internationale Kreditkrise hat sich in dieser Woche, in der mehrere US-Investmentbanken ihre Quartalszahlen vorlegen, zudem noch einmal die Börsen mit voller Wucht erschüttert. Nach dem Beinahekollaps und dem Notverkauf von Bear Stearns Chart zeigen waren die Börsen am Montag weltweit auf Talfahrt gegangen. Erst am Dienstag beruhigte sich die Lage, nachdem die Zahlen von Lehman Brothers Chart zeigen und Goldman Sachs Chart zeigen nicht ganz so katastrophal ausfielen wie erwartet.

Ebenfalls positiv nahmen die Märkte die Zinssenkung der US-Notenbank Fed um 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent auf - auch wenn sogar eine Senkung um bis zu 100 Punkte erwartet worden war. Am Devisenmarkt legte der Dollar nach der Entscheidung trotzdem zu. Der Euro fiel umgekehrt um mehr als einen Cent auf 1,5657 Dollar. Der Dow Jones Chart zeigen schloss an der New Yorker Börse 3,5 Prozent im Plus. US-Präsident George W. Bush sagte kurz nach der Zinssenkung, er habe weiterhin Vertrauen in die US-Wirtschaft. Sollten weitere Aktionen für die Stabilität nötig sein, würden Regierung und Notenbank handeln.

Zur Begründung der abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik erklärte die Fed, der Wirtschaftsausblick habe sich weiter verschlechtert. Insbesondere die Belastungen durch die prekäre Lage am Immobilienmarkt - auf dem die globale Krise im Sommer vergangenen Jahres ihren Anfang genommen hatte - und die Lage an den Kreditmärkten würden die Konjunktur stärker als gedacht schwächen. Auch die Situation an den Finanzmärkten bleibe angespannt. Parallel zur Senkung des Leitzinses kappte die Federal Reserve auch zum zweiten Mal in dieser Woche den Diskontsatz, zu dem sich die Banken bei ihr über Nacht Geld borgen können. Er liegt nun bei 2,5 Prozent.

Trotz der offensichtlichen Probleme an den Börsen fiel die Zinsentscheidung aber nicht einstimmig. Zwei Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses hätten sich gegen eine derart starke Zinssenkung ausgesprochen, hieß es in der Mitteilung der Notenbank. Der Hintergrund sind wohl Inflationssorgen. Die Fed erklärte aber, sie sei zuversichtlich, dass die Inflation in den kommenden Quartalen sukzessive nachlassen werde - bedingt durch eine Beruhigung der Energie- und Rohstoffpreise.

Analysten beurteilten die Entscheidung unterschiedlich. "Die Fed hat gezeigt, dass sie sich in erster Linie darauf konzentriert, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, und wegen der Inflation werden sie sich später Sorgen machen", sagte Daniel Libby von Sands Brothers Select Access Fund. Ein anderer Experte kritisierte dagegen den jüngsten Schritt. "Durch die aggressiven Senkungen wird irgendwann Inflationsdruck entstehen. Man kann die Zinssätze nicht andauernd senken ohne irgendwann eine gegensätzliche Reaktion zu erwarten." Im August 2007, vor Beginn der Krise, hatte der Leitzins in den Vereinigten Staaten noch 5,25 Prozent betragen.

ase/dpa-AFX/Reuters

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