Vergleichstabelle
Neuer Gaspreisschock - diese Versorger werden teurer
1400 Euro pro Jahr: So viel muss ein durchschnittlicher Gaskunde in Deutschland einem neuen Branchenüberblick zufolge künftig zahlen. Zum 1. April steigen vielerorts die Preise - zum Teil um mehr als 180 Euro. SPIEGEL ONLINE zeigt, wen es wie hart trifft.
Hamburg - Gas ist Gas, trotzdem unterscheiden sich die Preise gewaltig. Je nach Region müssen die Kunden 1100 Euro pro Jahr zahlen - oder 1550 Euro. Das hat das Verbraucherportal Verivox ermittelt.
DPA
Gasherd: Preiserhöhungen in fast allen Bundesländern
In Zukunft sind allerdings auch Preise von bis zu 1630 Euro möglich. Denn in vielen Gegenden Deutschlands wird Gas nun noch teurer: In den kommenden Wochen steigen die Preise im Schnitt um 6,7 Prozent, mancherorts sogar um mehr als 14 Prozent.
Die große SPIEGEL-ONLINE-Vergleichstabelle zeigt: Die meisten Preistreiber sitzen in Nordrhein-Westfalen. Hier erhöhen 58 Versorger ihre Tarife zum 1. April oder zum 1. Mai. Aber auch sonst trifft es die Verbraucher in fast allen Bundesländern. Nur in Berlin und in Hamburg bleiben die Grundversorgungstarife stabil. Deutschlandweit schrauben 182 Gasunternehmen die Preise hoch.
Die größten Preiserhöhungen gibt es in Sachsen: Die Stadtwerke Reichenbach heben ihren günstigsten Tarif um 14,1 Prozent an. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden steigt die Jahresrechnung um 186 Euro auf rund 1500 Euro.
Auch der teuerste Anbieter, die Freitaler Strom + Gas GmbH, sitzt in Sachsen: Hier steigen die jährlichen Kosten auf fast 1630 Euro. Ähnlich teuer sind außerdem die Stadtwerke in Pasewalk und Weißwasser sowie die Stadtwerke Weißenbach in Bayern.
Grund für die erneute Teuerungswelle ist der Ölpreis. Die Gasversorger haben mit ihren Vorlieferanten Verträge geschlossen, die den Gaspreis an den Ölpreis koppeln. Mit rund sechs Monaten Verspätung bekommen nun auch die Gaskunden das teure Öl zu spüren.
Experten halten die Ölpreiskoppelung allerdings für nicht mehr zeitgemäß. Sie mache das Gas unnötig teuer, kritisiert Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Konzerne kassieren durch die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis in ganz großem Stil ab." Gas müsse viel billiger sein: "Das Angebot ist so groß, dass der Preis bei einem Handel an der Börse 40 Prozent niedriger liegen könnte."
Die von Verivox ermittelten Zahlen beziehen sich nur auf die Tarife der örtlichen Grundversorger. Vielerorts können die Kunden ihr Gas aber auch von anderen Unternehmen beziehen. Verbraucherschützer empfehlen deshalb den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. In der Regel kann dies in wenigen Minuten erledigt werden (siehe Kasten). Der starke Anstieg der Energiepreise lässt sich so zumindest ein wenig dämpfen.
Anbieterwechsel - so funktioniert's
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden, wobei der Markt hier aber erst langsam in Bewegung kommt. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder seit kurzem auch www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
wal
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