Von Marc Pitzke, New York
New Yorks privater Luxus-Immobilienmarkt hält sich noch wacker, nicht zuletzt, weil viele Auslandsinvestoren den günstigen Dollarkurs ausnutzen. Doch auch hier sind bei mittleren Preislagen erste Krisensymptome sichtbar. Die Preise sind stabil, aber Käufer lassen sich Zeit, sie sind wählerischer geworden. Die Angebote liegen immer länger im Inventar.
Die Aasgeier kreisen. Am vorigen Montag, dem ersten Arbeitstag nach dem Bear-Stearns-Desaster, beobachteten Lokalreporter, wie Immobilienmakler vor der Firmenzentrale der kaputten Bank an der Madison Avenue ihre Visitenkarten austeilten. Deren Hoffnung: Demoralisierte Mitarbeiter wollten ihre Immobilien nun schnellstmöglich abstoßen.
Ein erstes Mega-Immobilienprojekt droht bereits zum Opfer der Kreditkrise zu werden. Die Atlantic Yards, die Vier-Milliarden-Dollar-Bebauung einer Industriebrache im Herzen Brooklyns mit Büros, Wohnhäusern und einem enormen Sportstadion, muss aufgrund von Finanzierungs- und Kreditproblemen nun erheblich beschnitten werden. Ein Teil der 16 Hochhausstürme wird nun vorerst nicht errichtet.
Auch die größte Trophäe auf dem Immobilienmarkt Manhattans leidet unter der Krise: die Westside Railyards, fast elf brach liegende Hektar am Hudson River. Vier Bewerber drängelten sich anfangs um New Yorks letztes Freigelände, das der Verkehrsgesellschaft MTA gehört und dessen Bebauung mehrere Milliarden Dollar kosten dürfte. Inzwischen sind nur noch zwei Interessenten übrig geblieben.
Jüngsten Meldungen zufolge soll der Managementkonzern Tishman Speyer (Rockefeller Center, Chrysler Building) den Zuschlag bekommen. Der hoffte sich die Finanzierung mit der Wall-Street-Bank Morgan Stanley zu sichern, die ihre Zentrale dorthin verlegen wollte. Doch jetzt zog sich Morgan Stanley diskret von dem Projekt zurück.
New Yorks große Hoffnung sind nun die Touristen. Mit dem Euro ist auch die Zahl der Auslandsbesucher in der Metropole dramatisch gestiegen. Allein im Dezember 2007, dem aktuellsten Statistik-Monat, waren es 3,8 Millionen Übersee-Touristen - 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit Gästen aus aller Welt hatte die Stadt schon ihre letzte Finanzkrise überwunden, nach dem 11. September 2001.
Im East Village akzeptieren die ersten Kramläden inzwischen Euros zum Tageskurs. Beim Antiquitätenhändler Billy Leroy an der Houston Street hängt sogar dieses Schild im Fenster: "Euros Only." Die Hälfte seiner Kunden, sagte er dem Radiosender NPR, seien mittlerweile Europäer. "Man muss mit der Zeit gehen."
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