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01.04.2008
 

Zwei-Klassen-Medizin

Kassenpatienten warten länger - viel länger

Viele Patienten haben es geahnt - nun gibt es einen wissenschaftlichen Beleg: Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte - das haben Wissenschaftler der Uni Köln ermittelt.

Köln - Die Studie aus Köln liefert Gesprächsstoff für Patienten und Gesundheitspolitiker. "Wir können mit der Studie erstmals wissenschaftlich fundiert zeigen, was bisher nur vermutet werden konnte, von Ärzteseite aber abgestritten wird: dass Kassenpatienten sich bei der Terminvergabe in Facharztpraxen hinten anstellen müssen", sagte der kommissarische Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie, Markus Lüngen.

Für die Untersuchung hatten wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Köln im Frühjahr 2006 insgesamt 189 niedergelassene Fachärzte im Raum Köln/Bonn/Leverkusen kontaktiert. Telefonisch gaben sich die Tester entweder als Kassen- oder Privatpatienten zu erkennen und baten um eine von fünf ausgewählten Untersuchungen: einen Allergie- und Lungenfunktionstest, eine Augenuntersuchung (Pupillenerweiterung), eine Magenspiegelung, einen Hörtest oder eine Magnetresonanztomografie des Knies. Gezählt wurden die Werktage, die zwischen dem Anruf und dem vergebenen Termin lagen.

Der größte Unterschied in absoluten Zahlen ergab sich für die Magenspiegelung, auf die Privatpatienten im Durchschnitt 11,9 Werktage, Kassenpatienten 36,7 Werktage warten mussten. Am geringsten fiel der Unterschied bei den Hörtests aus, die bei Kassenpatienten nach 6,8 Tagen ausgeführt wurden, während Privatversicherte bereits 2,2 Tage nach dem Telefonanruf in die Praxen gebeten wurden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte die Vermutung, dass Privatpatienten neben einem früheren Termin auch eine bessere ärztliche Versorgung erhielten als Kassenpatienten. "Das ist nur die Spitze des Eisbergs eines Zwei-Klassen-Systems in der medizinischen Versorgung", sagte Lauterbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Zudem dürften die Unterschiede in der Terminvergabe in Regionen mit zu wenigen Fachärzten nach Lauterbachs Vermutung noch deutlicher ausfallen als in der untersuchten Region, die mit Arztpraxen der untersuchten Fachrichtungen überversorgt sei.

itz/AFP

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Die neuesten Beiträge:
13.09.2010 von altebanane:

In diesem Forum geht es aber nicht um den Arzt, sondern um den Patienten. Und für den scheint es ja in GB und D ziemlich ähnlich auszusehen, und zwar nicht schlecht. mehr...

13.09.2010 von uwp-berlin:

Für GB mag das gelten. In Deutschland wird diese vernünftige Systematik durch die bereits oben beschriebene Honorierungssystematik in der GKV teilweise konterkariert. Der Arzt ist darauf angewiesen, auch möglichst viele [...] mehr...

13.09.2010 von Linlithgow:

So aehnlich laeuft das auch hier: Wenn es etwas ernsthaftes und dringendes ist, dann ist die Versorgung sehr gut. Fuer die nicht so dringenden Wehwehchen gibts den Hausarzt und ggfs einen Facharzt, wo die Ueberweisung halt ein [...] mehr...

13.09.2010 von uwp-berlin:

Ist schon klar und kann auch durchaus sein. Sie kennen ja aber auch vielleicht den Spruch, "Es gibt keine Gesunden, nur schlecht Untersuchte". Bei "privat"Versicherten ist die Wahrscheinlichkeit daher [...] mehr...

13.09.2010 von altebanane: .

Ich schwöre, das mein Problem nichts mit schlechter Basismedizin zu tun hat. Es war bei der letzten Vorsorgeuntersuchung schlicht noch nicht vorhanden. mehr...

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