Wirtschaft



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02.04.2008
 

Liberalisierter Markt

Kaufrausch auf Kuba

DVD-Spieler, Flachbildfernseher, Schnellkochtöpfe - der Wechsel an Kubas Staatsspitze macht sich in den Läden bemerkbar. Nachdem der neue Präsident Raúl Castro nach Jahren den freien Verkauf von Elektrogeräten erlaubt hatte, strömten die Menschen in Massen in die Geschäfte.

Havanna - Bisher blühte der Schwarzmarkt mit Computern und Fernsehgeräten auf Kuba. Doch eine Verordnung des neuen Präsidenten Raúl Castro will die illegalen Transaktionen in dunklen Ecken und Hinterhöfen künftig verhindern: Seit Dienstag dürfen Elektrogeräte auf Kuba im freien Verkauf feilgeboten werden - woraufhin die Bewohner des kommunistischen Inselstaates dem Kaufrausch verfielen.

Begeistert von den neuen Kosummöglichkeiten strömten die Kubaner in den ersten Tagen in Massen in die Geschäfte und Kaufhäuser. Viele wollten vor allem die Gerüchte über das Angebot bestätigt sehen. In Kubas Presse war die Verordnung, die das Verbot von 2003 für den Verkauf von Elektrogeräten aufhob, nämlich gar kein Thema.

Dabei ist sie Teil einer Serie von wirtschaftlichen Reformen, die der neue Präsident Ende vergangener Woche einleitete: Zuerst erlaubte Raúl Castro, der seinen Bruder Fidel Ende Februar nach fast 50 Jahren an der Staatsspitze abgelöst hatte, seinen Landsleuten das Telefonieren mit Handys - wenn auch nur mit Vorabzahlung in Devisen. Schließlich gestattete er ihnen, in Hotels einzuchecken - bisher war das nur den ausländischen Touristen vorbehaltenen.

Zwischen Kauflust und Frust

An die neuen Waren in den Auslagen müssen sich die Kubaner jedoch erst einmal gewöhnen. Der Verkauf lief nur langsam an. Auch bieten die Läden längst nicht alles, was das Elektro-Herz begehrt. Computer, Mikrowellen, Alarmanlagen für Autos und viele andere Elektrogeräte sind vorerst nicht zu haben.

Für viele Kubaner bleiben die Mixer und Stereo-Anlagen zudem unerreichbar: Die Elektrogeräte müssen mit der einheimischen Devisenwährung Peso convertible (CUC) bezahlt werden, die 24 Mal teurer ist als der normale kubanische Peso. An diese Währung kommen nur etwa rund die Hälfte der Kubaner heran - durch den Tourismus, Geldsendungen von Angehörigen aus dem Ausland oder Sonderzulagen des Arbeitgebers.

Billig - dennoch unerschwinglich

Zudem sind die Waren zwar oft billiger als auf dem Schwarzmarkt, doch für viele Kubaner nach wie vor unerschwinglich: "Ein DVD-Spieler für 115 Pesos convertibles: Das sind 2700 normale Pesos, fast die Hälfte von dem, was ich im ganzen Jahr verdiene", sagt der 34-jährige Maurer Lazaro Paneque. Der durchschnittliche Monatslohn in Kuba liegt bei 408 nicht-eintauschbaren Pesos - das reicht gerade für das Notwendigste.

Der Kauf eines chinesischen Elektro-Motorroller für umgerechnet 547 Euro scheint da unmöglich, ebenso wie der Flachbildfernseher für umgerechnet 1350 Euro. Eine 70-jährige Rentnerin beschränkt sich da doch lieber aufs Anschauen: "Mit meinen 200 Pesos Rente könnte ich schwerlich etwas kaufen."

Rigoberto Díaz, AFP

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