Berlin - Die Affäre um die von Pin bezahlte Gewerkschaft weitet sich aus: Das Management des insolventen Postdienstleisters soll die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) nicht nur diskret finanziell unterstützt, sondern sogar selbst gegründet haben. Das berichtet das Magazin "Stern" vorab. Der ehemalige Pin-Großaktionär Axel Springer habe davon gewusst - und sei sogar aktiv beteiligt gewesen.
Mathias Döpfner: Soll von der Gründung der GNBZ gewusst haben
Laut dem Bericht war der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner direkt über die Gründung der Konkurrenzgewerkschaft informiert. So habe das Pin-Management ihn schriftlich informiert, es sei mit der Gründung der Gewerkschaft schon recht weit, es fehle allerdings noch ein Vorsitzender.
Der Verlag dementierte den Bericht: Der Vorstand habe keine Zahlungen zur Finanzierung der GNBZ vorgenommen, veranlasst oder gebilligt, teilte Springer mit. Zudem habe das Unternehmen keine Versuche unternommen, die Willensbildung der Gewerkschaft zu beeinflussen. Auch habe der Vorstand des Verlagshauses weder die Einzelheiten der Gewerkschaftsbildung gekannt noch gelenkt. Über fragliche Zahlungen der Pin-Gruppe an die GNBZ habe Springer erst kurz vor der Veröffentlichung einer entsprechenden Presseerklärung des Insolvenzverwalters erfahren.
Die Staatsanwaltschaft Köln prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Pin könnte sich der Bestechung im geschäftlichen Verkehr schuldig gemacht haben.
sil/ddp
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH