Stuttgart - Wenn Verbraucher beim Discounter um die Ecke außer Brot und Eiern auch Versicherungen kaufen, kann das einige Risiken bergen. Es bestehe die Gefahr, dass der Kunde sich wegen der fehlenden Beratung im Supermarkt für eine nicht bedarfsgerechte Versicherung entscheide, sagte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur AFP. Verbraucher könnten sich dann entweder über- oder sogar unterversichern, warnte der Versicherungsexperte. "Versicherungen sind ein so komplexes Thema, dass nicht davon auszugehen ist, dass der Durchschnittsbürger weiß, was für ihn richtig ist", betonte Grieble.
Versicherungen werden immer öfter auch im Einzelhandel verkauft. So gab es etwa Angebote bei Tchibo und Plus, und der "Financial Times Deutschland" zufolge will nun auch Aldi einsteigen. Unter Berufung auf Assekuranzkreise berichtet die Zeitung, die Lebensmitteldiscounter Aldi Nord und Aldi Süd wollten mit der Dortmunder Signal Iduna kooperieren. In den 4000 Märkten sollten Kunden dann auch Privathaftpflicht-, Unfall-, Hausrat- oder Reiseversicherungen kaufen können. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten.
Nicht nur die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist skeptisch. Auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisiert die Aldi-Pläne. Mit dem Verkauf hochkomplexer und nachhaltiger Versicherungsprodukte neben "kurzlebiger Impulsware wie Kaugummi und Chips" würden Versicherungskunden getäuscht, sagte BVK-Präsident Michael Heinz.
Versicherungen vom Discounter seien dann akzeptabel, wenn es um "nicht erklärbedürftige" Sparten gehe, also beispielsweise Reiseversicherungen, sagt Verbraucherschützer Grieble. Diese würden auch im Reisebüro oder bei Banken angeboten, wo es ebenfalls keine Fachberatung gebe. Informationen etwa auf Aushängen genügten hier.
Anders sehe es bei "hochkomplexen" Sparten wie etwa der Haftpflicht- oder Unfallversicherung aus. Zum Beispiel sei die richtige Versicherungssumme eine wichtige Frage, die beim Discounter nicht geklärt werden könne - es sei denn, dieser stelle einen Fachmann dafür ab. Nur "die Policen ins Regal zu werfen, das reicht nicht aus", mahnte Grieble.
Vorteile sieht Grieble vor allem für die Versicherungskonzerne. Diese könnten sich mit ihren Angeboten im Supermarkt neue Vertriebswege und möglicherweise sogar eine völlig neue Klientel erschließen, die bislang von den Versicherungsmaklern noch gar nicht erreicht worden sei. Natürlich könne auch der Umsatz der Versicherer steigen. Zudem könnten die Unternehmen womöglich sogar die Provisionen für die eigenen Vermittler drücken.
Einen möglichen Vorteil beim Versicherungs-Discountkauf sieht Grieble auch für den Verbraucher: Dann nämlich, wenn die Versicherungen auf umfangreiche Vorprüfungen wie etwa die Gesundheitsprüfungen bei den Kunden verzichteten. Wenn die Versicherung sage, sie nehme jeden Kunden auf, der das Versicherungspaket beim Discounter erworben hat, könne dies für manche Verbraucher durchaus ein Pluspunkt sein.
ase/AP/AFP
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