Wirtschaft



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11.04.2008
 

Yahoo-Übernahme

Je länger der Kampf, desto besser für Google

In der Übernahmeschlacht um Yahoo werden die Fronten unklarer. Rupert Murdoch taucht als möglicher Alliierter von Microsoft auf, AOL wird als "Weißer Ritter" gehandelt - doch viele bei Yahoo sind unglücklich mit dieser Idee. Analysten sehen am Ende nur einen Gewinner.

New York/San Francisco - Krisensitzung bei Yahoo: An diesem Freitag trifft sich die Führungsmannschaft der Internetfirma, um über die Abwehrstrategie gegen das Übernahmeangebot von Microsoft zu beraten. Beobachter sind sich sicher: Die Konferenz wird von Ratlosigkeit geprägt sein.

Yahoo-Werbung: AOL gilt nicht eben als Innovationsmotor
DPA

Yahoo-Werbung: AOL gilt nicht eben als Innovationsmotor

Der Zusammenschluss mit AOL gilt als Königweg im Kampf gegen den Aggressor. So vermuten es zumindest informierte Beobachter laut Bericht des "Wall Street Journal". Er könnte über einen Aktientausch erfolgen. Yahoo würde dabei etwa 20 Prozent seiner Anteile an den AOL-Mutterkonzern Time Warner überschreiben.

Im Gegenzug würde Time Warner seinen Kaufpreis in bar bezahlen, um Yahoo den Rückkauf eigener Aktien zu ermöglichen. Das Geld würde auch helfen, um Investitionen in Zukunftsprojekte zu finanzieren. "Diese Version ist die erste, die eine echte Alternative zur Übernahme durch Microsoft darstellen könnte", kommentiert Jeffrey Lindsay vom Analysehaus Sanford C. Bernstein die Pläne laut Nachrichtenagentur AP.

Vom Regen in die Traufe

Ob dieser Schritt jedoch wirklich sinnvoll ist, darüber ist man sich nach Informationen des "Wall Street Journal" keineswegs einig. Bis in die obersten Yahoo-Ränge hinein gibt es Skeptiker. Denn AOL gilt nicht eben als Innovationsmotor der Branche - das wissen auch die Yahoo-Anteilseigner.

Beobachter sind sich deshalb auch einig, dass Microsoft am Ende die Nase vorn haben könnte, wenn es den Yahoo-Aktionären den Verkauf mit einem zusätzlichen Preisaufschlag versüßt. Als zentrale Frage gilt aber, ob Microsoft-Chef Steve Ballmer überhaupt bereit ist, sein Angebot aufzustocken.

Dass er dabei auf die Unterstützung von Rupert Murdoch baut, gilt unter den Beobachtern noch längst nicht als ausgemacht. Der Medientycoon habe vor einiger Zeit bereits mit Yahoo selbst über eine Fusion mit seiner Webcommunity-Site MySpace gesprochen, berichtet das "Wall Street Journal". Das Geschäft sei aber an den Preisvorstellungen Murdochs gescheitert. Das Problem könnte natürlich auch in den Verhandlungen zwischen Microsoft und News Corp. eine entscheidende Rolle spielen.

Ein Jahr zuvor sollen die Unterhändler beider Unternehmen schon einmal zusammengesessen haben, um Möglichkeiten für eine Partnerschaft auszuloten. Den Gesprächen lag ein Plan zugrunde, nach dem Microsoft den technischen Bereich wie etwa die Suchmaschine und den Werbeschaltungen verantwortet hätte - und News Corp. die Inhalte.

Die Arbeitsteilung hätte Sinn: Beide Seiten könnten sich auf ihr jeweiliges Spezialgebiet konzentrieren und wüssten den anderen Teil trotzdem innerhalb ihrer Einflusssphäre.

Doch trotz aller auf der Hand liegenden Vorteile kam eine Verabredung damals nicht zustande. "Bei Microsoft sind viele einflussreiche Leute der Überzeugung, dass man auf Unterstützung von Außen nicht angewiesen ist", erfuhr das "Wall Street Journal" aus Konzernkreisen.

Microsoft schafft auch den Alleingang

Möglicherweise hängt die geringe Neigung zur Kooperation auch mit einem Mangel an Vertrauen zusammen. Zu Beginn des vergangenen Jahres etwa brach Microsoft schon einmal Gespräche über eine mögliche Werbepartnerschaft ab, nachdem Murdoch sie in einem anderen Bereich düpiert hatte.

Doch auch ohne News Corp. gilt Microsoft als finanzkräftig genug, um eine Übernahme von Yahoo zu bewältigen - selbst wenn der Preis deutlich höher ausfallen würde, als von Ballmer geplant. Analysten rechnen damit, dass schlussendlich 35 Dollar pro Aktie auf der Rechnung stehen könnten. Das würde einem Unternehmenswert von rund 50 Milliarden Dollar entsprechen.

Klar, dass dieser exorbitante Preis viele Skeptiker auf den Plan ruft. Einen Gewinner - neben den Yahoo-Aktionären - gibt es jedenfalls: Google.

Die quälende Diskussion werde dem Marktführer helfen, seinen Vorsprung noch weiter auszubauen, ist Derek Brown überzeugt, ein Analyst bei Cantor Fitzgerald. Dabei hatte Microsoft eigentlich bezweckt, seine Position gegenüber Google zu stärken.

Nun steckt der Software-Konzern in einer echten Zwickmühle: Ein schnelles Ende des Übernahmekampfs ist nur zu einem hohen Preis zu erreichen, die anhaltende Diskussion setzt bei Google ungeheure Energien frei. Beides dient am Ende Google.

mik/mit AP

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