Wirtschaft



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15.04.2008
 

Minijobs

Immer mehr Rentner müssen arbeiten

Die Finanzlage älterer Menschen wird immer schlechter. Die Zahl der Senioren, die arbeiten gehen müssen, weil sie von ihrer Rente nicht leben können, ist dramatisch angestiegen. Zudem ist das reale Einkommen der Rentner laut einer Bankenstudie in den letzten vier Jahren stark gesunken.

Berlin - Immer mehr ältere Menschen arbeiten auch über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Minijobber über 65 Jahren deutlich angestiegen: um knapp 40 Prozent auf 702.141. Das berichtet die "Welt" unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums. Hinzu kommen demnach weitere 114.913 Ältere, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. 2002 hatte es erst 506.065 Minijobber und 109.212 Beschäftigte im Rentenalter gegeben.

Rentner in Deutschland: Weniger Kaufkraft, mehr Minijobs
DPA

Rentner in Deutschland: Weniger Kaufkraft, mehr Minijobs

Wie das Blatt weiter schreibt, dürften tatsächlich noch weitaus mehr Menschen über 65 Jahre arbeiten. Denn Selbständige seien in dieser Statistik des Ministeriums nicht erfasst. Auch arbeitende Rentner unter 65 Jahren würden in der Statistik nicht mitgezählt.

Kaufkraft gesunken

Weitere schlechte Nachrichten für die Rentner liefert heute die Bank Unicredit. Das Institut hat laut "Berliner Zeitung" ausgerechnet, dass die Kaufkraft deutscher Rentner deutlich geschrumpft ist. Das Blatt berichtet vorab unter Berufung auf Berechnungen der Bank, das reale Einkommen der Rentner sei von 2004 bis einschließlich 2008 um 8,5 Prozent gesunken, wenn man die Inflationsrate berücksichtige. In diesem Jahr betrage das Minus voraussichtlich gut 1,3 Prozent.

Unicredit-Ökonom Alexander Koch sagte der Zeitung, für die "substanziellen Einbußen" seien zwei Gründe verantwortlich. Seit dem Platzen der Hightech-Blase sei die Lohnentwicklung in Deutschland sehr schwach gewesen, was auch die Renten beeinflusst habe. Darüber hinaus wirke sich nach zahlreichen Reformen der demografische Wandel stark auf die Rentenhöhe aus. Historisch gesehen seien die Realrenten den Unicredit-Zahlen zufolge auf das Niveau von Mitte der siebziger Jahre abgerutscht.

Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, sagte der Zeitung: "Es ist zu befürchten, dass die Kaufkraftverluste der Rentnerinnen und Rentner bis 2010 auf mehr als zehn Prozent ansteigen." Der tatsächliche Kaufkraftverlust für viele Rentner sei sogar noch höher, als dies die Inflationsrate nahelege. Höhere Gesundheitsausgaben würden nicht abgebildet. Darüber hinaus sei die Teuerung bei Lebensmitteln, die einen relativ hohen Anteil an den Ausgaben eines Rentnerhaushalts ausmachten, höher als die durchschnittliche Inflation. Die an den Löhnen orientierte Rentenanpassung solle daher um einen Inflationsschutz zu erweitert werden.

ler/AP/ddp

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