Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.04.2008
 

Motorradhersteller Ducati

Feuerstuhl für Ferdinand

Von Jochen Vorfelder

Neues aus der Gerüchteküche Ducati: Im vergangenen Herbst wurde noch Harley-Davidson als potentieller Käufer der italienischen Motorrad-Edelmarke gehandelt, jetzt gilt Volkswagen als heißer Übernahmekandidat - befeuert durch Aussagen von Aufsichtsrat Piëch.

Hamburg - Ferdinand Piëch, Aufsichtsrat des größten europäischen Fahrzeugkonzerns und bekannt für seine unternehmerischen Alleingänge, hat in einem "Stern"-Interview anklingen lassen, dass der Konzern sehr wohl am Erwerb eines "kleinen, wertvollen Motorradherstellers" interessiert sein könnte und dabei den Namen Ducati fallen lassen.

Mit Ducati, wo jährlich rund 38.000 Zweiräder vom Band laufen, würde VW sein Produktionsportfolio vom Schwerlaster (MAN) über Sportwagen (Bugatti) bis hin zum Zweirad erweitern und sich die aktuelle Weltmeistermarke in der Edelklasse MotoGP einverleiben.

Ducati Monster 696: Motorrad-Know-how ist in Wolfsburg verfügbar - und zwar bei VWs Großaktionär Porsche
GMS

Ducati Monster 696: Motorrad-Know-how ist in Wolfsburg verfügbar - und zwar bei VWs Großaktionär Porsche

In dem Interview trauerte Piëch noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte übernehmen können. Piëch outete sich selbst als Duc-Fahrer - er bevorzugt die 1098R: "180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm als ein 1001-PS-Bugatti."

Seit 1985, als Ducati tatsächlich völlig am Boden lag, hat die Edelschmiede im Bologneser Stadtteil Borge Panigale eine beachtliche Kehrtwende geschafft: "Ende der Achtziger ging es bergab, es wurde nichts mehr investiert, und Mitte der Neunziger waren wir völlig am Boden. Die Technik und die Maschinen wie die 916 waren Spitzenklasse, aber Geld gab es keins mehr", erzählt der Museums-Kurator und Chronist der Marke Livio Lodi. "Erst der Einstieg der TPG im Jahr 1996 hat uns gerettet."

Heuschrecke als Sanierer

TPG steht für Texas Pacific Group. Die amerikanischen Investoren kauften Ducati von der Cagiva-Gruppe der Gebrüder Castiglioni und standen bei der Übernahme unter Heuschrecken-Verdacht. Doch die Amerikaner zerschlugen die Firma nicht, sondern setzten auf eine langfristige Strategie: Sie tauschten unter der Leitung des italo-amerikanischen Sanierers Federico Minoli das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein und krempelten die Produktion komplett um.

Mit Modellen wie den Superbikes 996 und 1098, der Hypermotard, dem Reiseliner Multistrada und der neuen Monster ist die Marke inzwischen wieder gut aufgestellt und hat die Gewinnzone erreicht. TPG hatte, wie Kurator Lodi, erkannt, dass die Marke Ducati ein noch ungehobener Schatz war. Zehn Jahre nach dem Einstieg verkaufte die TPG Ducati schließlich an die italienischen Eigentümer von InvestIndustrial S.A. - sicher mit einem hübschen Gewinn.

Seit 2007 hat InvestIndustrial - nicht zuletzt unter dem Druck eines kanadischen Co-Investors - immer wieder signalisiert, dass man an einem Weiterverkauf durchaus interessiert sei. Ein Angebot des Volkswagen-Konzerns, der angeblich zusammen mit dem kanadischen Teilhaber an InvestIndustrial bereits die Ducati-Zahlen unter die Lupe nimmt, würde also nicht auf taube Ohren stoßen.

Schweigen in Wolfsburg

Max Davoli, Pressesprecher von Ducati in Bologna: "Wir können noch nichts anderes sagen als in der Zeitung steht, aber es ist ja kein Geheimnis, dass unsere Eigentümer die Augen offen halten und in den letzten Monaten immer wieder Gespräche geführt haben." Ein Dementi klingt anders, ein offenes Bekenntnis zu VW aber auch.

In der Wolfsburger Firmenzentrale wollte man auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ein mögliches Engagement bei Ducati nicht kommentieren, aber ganz abwegig wäre ein Wolfsburger Engagement im Zweiradsegment nicht: Motorrad-Know-how ist verfügbar - und zwar bei VWs Großaktionär Porsche. Die Zuffenhausener entwickelten 2002 den ersten wassergekühlten V-Motor für die US-Bike-Schmiede Harley-Davidson.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP