Düsseldorf - Beide Seiten hatten zuvor den Verlauf der Tarifgespräche als sachorientiert und konstruktiv bezeichnet - aber auch als hart. Und offenbar waren die Fronten zu verhärtet: Die Deutsche Post und die Gewerkschaft Ver.di haben ihren Streit um Lohnerhöhungen, Arbeitszeiten und Kündigungsschutz nicht beilegen können. Sprecher bestätigten in der Nacht zum Samstag, dass die Verhandlungen zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft ergebnislos abgebrochen wurden. Damit droht ein unbefristeter Poststreik.
Ver.di-Sprecher Günter Isemeyer nannte im Anschluss an die abgebrochene Verhandlungsrunde das letzte Angebot der Post die "mutwillige Provokation eines Arbeitskampfes". Nach Auffassung der Gewerkschaft vernichte das Angebot Arbeitsplätze, verlängere die Arbeitszeit und bedeute "einen Griff in die Tasche der Beschäftigten", sagte Isemeyer.
Nach Angaben der Post hingegen habe der Konzern Ver.di ein "attraktives Angebot" vorgelegt, das eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Juni 2011 und einen Anstieg der Löhne in den nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent vorsehe. Im Gegenzug sollten aber die Arbeitszeiten angehoben werden. Arbeitnehmer sollten künftig eine halbe Stunde länger pro Woche arbeiten, Beamte 41 statt 40 Stunden.
"Die Deutsche Post bleibt bei ihrer konstruktiven Grundhaltung und ist uneingeschränkt gesprächsbereit", erklärte Personalvorstand Walter Scheurle. "Jetzt ist es an Ver.di sich zu bewegen, um zu einer friedlichen Lösung des Tarifkonflikts beizutragen."
"Keine Gesprächsgrundlage"
Ver.di argumentiert, dass die angebotenen 5,5 Prozent Lohnerhöhung auf 26 Monate gerechnet einem Volumen von 2,2 Prozent entsprechen. Dieses Angebot sei keine Gesprächsgrundlage, zumal die Beschäftigten der Post zwei Milliarden Euro Gewinne erwirtschaftet hätten, worauf die Post Aktionären 20 Prozent Dividende versprochen habe.
Die Tarifkommission von Ver.di werde sich am Samstagmittag in Düsseldorf treffen und die weiteren Schritte beraten, sagte Isemeyer. Die Verhandlungskommission werde ihr die Ablehnung des Angebots empfehlen.
Die Tarifparteien hatten ihre neue Verhandlungsrunde - bereits die vierte - am Donnerstag aufgenommen. Für die 130.000 Tarifbeschäftigten fordert Ver.di eine Anhebung der Entgelte um sieben Prozent für zwölf Monate bis Ende April 2009. Zusätzlich will die Gewerkschaft einen neuen Vertrag, der betriebsbedingte Kündigungen weiter bis 2011 ausschließt. Auch die Arbeitszeit von 38,5 Stunden pro Woche solle nicht steigen, um Arbeitsplätze zu sichern.
amz/dpa/Reuters/AFP
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