München - Die Deutsche Post
will einen drohenden Streik der Briefträger noch abwenden und ist bereit, der Gewerkschaft Ver.di ein besseres Angebot vorzulegen. Die bisherige Offerte sei "nicht das letzte Wort der Post", sagte Personalvorstand Walter Scheurle der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). Scheurle betonte, die Offerte der Post sei "ein Angebot und kein Diktat". Sie solle eine Grundlage sein, um sich zu verständigen. Nun müssten aber auch die Gewerkschafter über ihren Schatten springen.
Die Tarifkommission der Gewerkschaft hatte am Wochenende das Angebot der Post abgelehnt, die Tarifverhandlungen für die 130.000 Beschäftigten für gescheitert erklärt und mit einem unbefristeten Arbeitskampf ab Mai gedroht. Das bisherige Angebot sieht laut Post eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, eine Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Woche und eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 vor.
Ver.di erklärte dagegen, es scheine nur, als ob die Arbeitszeit nur um eine halbe Stunde auf 39 Stunden erhöht werden solle. Tatsächlich sehe die Post jedoch eine Erhöhung um zweieinhalb Stunden vor, weil entsprechende Pausen wegfallen sollten. Die Gewerkschaft argumentierte, dass solch eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit die "Vernichtung von 12.500 Arbeitsplätzen" zur Folge hätte. Post-Vorstand Scheurle nannte diese dagegen Zahlen "aus der Luft gegriffen".
Die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis sagte, man könne dem Management jetzt nur empfehlen, "zur Besinnung zu kommen und ein vernünftiges Angebot vorzulegen". Geschieht das nicht, will die Gewerkschaft eine Urabstimmung über einen flächendeckenden Ausstand einleiten - das Ergebnis soll am 30. April vorliegen.
Schon am Montag will Ver.di ihren Forderungen mit bundesweiten Warnstreiks Nachdruck verleihen. In Baden-Württemberg soll etwa der Großraum Stuttgart keine Post erhalten, wie der dortige Landesverband am Sonntag ankündigte. Der Landesverband Rheinland-Pfalz teilte mit, ab Sonntagabend 22 Uhr würden voraussichtlich 50 Beschäftigte der Niederlassung in Mainz-Hechtheim in den Ausstand treten. Rund 450.000 Briefsendungen würden dadurch nicht bearbeitet.
tno/ddp/AFP/AP
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