Berlin - Es war wohl nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter ein Schock: Die Vorgänge um detaillierte Überwachungsprotokolle hätten den Konzern völlig unvorbereitet getroffen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Lidl und Kaufland, Klaus Gehrig, der "Bild"-Zeitung. "Wir haben davon nichts gewusst und waren genauso fassungslos wie alle anderen auch."
Dann aber habe man gehandelt: Nach der Enthüllung habe die Geschäftsführung konsequent reagiert, sagte Lidl-Deutschland-Chef Frank Michael Mros dem Blatt. "Wir haben alle Kameras sofort abgebaut. Alle Mitarbeiter, die betroffen waren, konnten sich die Protokolle ansehen. Das Material wird nach Freigabe durch die Datenschutzbehörde komplett vernichtet." Um die Aufarbeitung werde sich der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob kümmern. "Er wird auch glasklare Regeln erarbeiten, was geht und was nicht."
Ende März war durch die Recherchen des "Stern" bekannt geworden, dass in dem Unternehmen seitenlange Spitzelprotokolle über Mitarbeiter angefertigt worden waren. Dabei wurden intimste Details aus dem Privatleben und vom Verhalten am Arbeitsplatz notiert.
Lidl wolle sich bei den Beschäftigten dafür erkenntlich zeigen, dass sie dem Konzern während der Krise treu geblieben sind, sagte Gehrig jetzt weiter. Dafür sollen jede Vollzeitkraft Ende dieses Monats 300 Euro und Teilzeitbeschäftigte eine anteilige Zahlung erhalten.
Gehrig kündigte zugleich an, dass das Unternehmen auch künftig nicht auf die Videoüberwachung verzichten werde. "Wir werden wieder Kameras in den Märkten aufbauen - zum Schutz der Mitarbeiter und zum Schutz vor Dieben. Das wird aber im offenen Gespräch mit den Mitarbeitern geschehen, die ihre Zustimmung dazu geben sollen und die sich die Filme jederzeit ansehen können." Der Kassenbereich werde davon aber ausgenommen, um den Verdacht einer möglichen Ausspionierung von EC-Geheimzahlen zu entkräften.
sam/ddp
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