Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
21.04.2008
 

Spitzelmethoden beim Discounter

Lidl-Spitze will nichts von Überwachungsprotokollen gewusst haben

Lidls Manager geben sich fassungslos: Erstmals hat sich die Führung des Discounters zum Skandal um die heimliche Mitarbeiterüberwachung geäußert. Die Aussage ist wenig überraschend: Von den detaillierten Spitzelprotokollen will die Konzernspitze nichts geahnt haben.

Berlin - Es war wohl nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter ein Schock: Die Vorgänge um detaillierte Überwachungsprotokolle hätten den Konzern völlig unvorbereitet getroffen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Lidl und Kaufland, Klaus Gehrig, der "Bild"-Zeitung. "Wir haben davon nichts gewusst und waren genauso fassungslos wie alle anderen auch."

Lidl-Filiale in Stuttgart: Konzernspitze war "fassungslos" über Mitarbeiterprotokolle
Zur Großansicht
DPA

Lidl-Filiale in Stuttgart: Konzernspitze war "fassungslos" über Mitarbeiterprotokolle

Dann aber habe man gehandelt: Nach der Enthüllung habe die Geschäftsführung konsequent reagiert, sagte Lidl-Deutschland-Chef Frank Michael Mros dem Blatt. "Wir haben alle Kameras sofort abgebaut. Alle Mitarbeiter, die betroffen waren, konnten sich die Protokolle ansehen. Das Material wird nach Freigabe durch die Datenschutzbehörde komplett vernichtet." Um die Aufarbeitung werde sich der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob kümmern. "Er wird auch glasklare Regeln erarbeiten, was geht und was nicht."

Ende März war durch die Recherchen des "Stern" bekannt geworden, dass in dem Unternehmen seitenlange Spitzelprotokolle über Mitarbeiter angefertigt worden waren. Dabei wurden intimste Details aus dem Privatleben und vom Verhalten am Arbeitsplatz notiert.

Lidl wolle sich bei den Beschäftigten dafür erkenntlich zeigen, dass sie dem Konzern während der Krise treu geblieben sind, sagte Gehrig jetzt weiter. Dafür sollen jede Vollzeitkraft Ende dieses Monats 300 Euro und Teilzeitbeschäftigte eine anteilige Zahlung erhalten.

Gehrig kündigte zugleich an, dass das Unternehmen auch künftig nicht auf die Videoüberwachung verzichten werde. "Wir werden wieder Kameras in den Märkten aufbauen - zum Schutz der Mitarbeiter und zum Schutz vor Dieben. Das wird aber im offenen Gespräch mit den Mitarbeitern geschehen, die ihre Zustimmung dazu geben sollen und die sich die Filme jederzeit ansehen können." Der Kassenbereich werde davon aber ausgenommen, um den Verdacht einer möglichen Ausspionierung von EC-Geheimzahlen zu entkräften.

sam/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP