Hannover - Der Maschinenbau schwimmt auf einer Erfolgswelle und will rund 30.000 neue Jobs schaffen. Die Stahlbranche brummt und die Energiewirtschaft will kräftig investieren - fast scheint es, als habe es nie eine weltweite Finanzkrise oder eine Rezession in den USA gegeben. Denn von den dortigen Negativnachrichten lassen sich die Maschinenbauer nicht irritieren. Sie sind unverdrossen überzeugt davon, dass die Konjunktur in Schwung bleibt.
Kohlefaserverarbeitung: Volle Auftragsbücher bis 2009
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits zur Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend gesagt, die Industrie habe sich als Stabilitätsanker der Weltwirtschaft erwiesen: "Wir sind stolz, dass wir ein Industrieland sind". Aus der Finanzmarktkrise seien eine Reihe von Unsicherheiten erwachsen. Es gebe aber gute Aussichten, "dass Deutschland weniger betroffen wird als andere", sagte sie.
"In der deutschen Industrie konstatieren wir eine nach wie vor robust positive Grundstimmung", betonte auch BDI-Präsident Jürgen Thumann am Montag. Der wirtschaftliche Start in das Jahr 2008 sei gelungen. Der BDI halte für 2008 einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von bis zu zwei Prozent immer noch für erreichbar.
Wirtschaftsforscher pessimistisch
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Prognose jüngst auf 1,8 Prozent nach unten korrigiert, der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für Deutschland gar nur noch 1,4 Prozent in diesem Jahr.
Die Bundesregierung selbst geht von einem Plus von 1,7 Prozent aus. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln sagt seiner am Montag in Berlin veröffentlichten Frühjahrsprognose für dieses Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,7 Prozent voraus.
Trotz höherer Unsicherheit im Konjunkturumfeld gingen aber 46 Prozent der mehr als 2000 befragten Unternehmen von einer anhaltenden konjunkturellen Aufwärtsbewegung im nächsten Jahr aus, wie IW-Direktor Michael Hüther mitteilte. "Eine Rezession können wir in diesem Zeitraum ausschließen", sagte er. Allerdings würden Wachstumsraten von 2,5 bis drei Prozent wie in den beiden vorhergehenden Jahren nicht mehr erreicht.
"Die deutsche Industrie zeigt sich als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung", sagte dagegen Thumann. Aufträge und Produktion lägen auf hohem Niveau, die Investitionsbereitschaft in der Industrie sei anhaltend hoch.
Auftragsbücher im Maschinenbau voll
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bekräftigte seine Prognose, seine Produktion in diesem Jahr um fünf Prozent steigern zu können. "Die Welt liebt deutsche Maschinen", sagte VDMA-Präsident Manfred Wittenstein: "Der Maschinenbau schwimmt auf einer Erfolgswelle." Die Branche stehe vor dem fünften Wachstumsjahr in Folge.
"Nicht wenige Unternehmen sind bis Jahresende, zum Teil sogar bis ins Jahr 2009, ausgebucht", betonte Wittenstein. Die Branche will in diesem Jahr 30.000 neue Jobs schaffen. Bislang sollten in diesem Jahr 10.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden.
Auch die Stahlindustrie ist zuversichtlich: "Es wird 2008 mit 48,5 Millionen Tonnen wieder eine Rohstahlproduktion auf dem Rekordniveau des Vorjahres erwartet", sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Die Stahlkonjunktur in Deutschland trotze den globalen Risiken.
Produktpiraterie richtet großen Schaden an
Erstmals seit 1973 sei die Beschäftigtenzahl in der Branche leicht um 1,4 Prozent auf über 92.300 Ende 2007 gestiegen. Die Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten bezeichnete er allerdings als dramatisch.
Unterdessen kündigte die Energiewirtschaft an, auch in diesem Jahr weiter investieren zu wollen. Im vergangenen Jahr waren es 8,5 Milliarden Euro. Die Gaswirtschaft hat ihre Investitionen 2007 demnach auf gut 1,8 Milliarden Euro gesteigert, die Strombranche auf 6,7 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sei mit einem weiteren Anstieg im Strombereich auf 8,9 Milliarden Euro zu rechnen.
Der VDMA beklagte allerdings, dass das Problem der Produktpiraterie nach wie vor nicht gelöst sei. Vor allem aus China kämen viele Plagiate. "Der Schaden, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2007 durch Diebstahl geistigen Eigentums entstanden ist, liegt bei etwa sieben Milliarden Euro", sagte der Verbandspräsident.
mik/AP
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