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22.04.2008
 

Tibet-Debatte

Deutsche Wirtschaft fürchtet verstimmte Chinesen

Kommunikationskrise zwischen Ost und West: Laut einer Umfrage grassiert unter deutschen Geschäftsleuten die Angst, dass sich die aktuelle China-Debatte negativ auf das Geschäft auswirken könnte. Der Chef der Deutschen Handelskammer mahnt gegenüber Peking "sanfte Diplomatie" an.

Peking - Deutsche Unternehmer in China fürchten, dass die politischen Diskussionen über die Tibet-Unruhen und einen möglichen Olympiaboykott ihre Geschäfte beeinträchtigen könnten. Das gaben 30 Prozent der Teilnehmer einer internen Umfrage an, wie der Vorsitzende der Deutschen Handelskammer in Peking, Richard Hausmann, heute mitteilte. 220 Unternehmer nahmen an der Onlinebefragung teil. Hausmann erwartet in den kommenden Tagen noch mehr Antworten.

Besorgter noch waren die Geschäftsleute über die neuen Visa-Regelungen. Für Mehrfachvisen brauchen Firmenvertreter und Techniker neuerdings die Einladung einer staatlichen Behörde, um einreisen zu können. Damit dürfte sich der gesamte Prozess verzögern. 60 Prozent der Befragten erklärten, dass dies zu "einer schwierigeren Situation" geführt habe.

Diese Neuerung stehe allerdings nicht im Zusammenhang mit der jüngsten politischen Entwicklung, erkläre die Geschäftsführerin der Deutschen Handelskammer, Jutta Ludwig: "Die Veränderungen waren sehr lange angekündigt, wir wissen das seit Ende 2007."

Auch Hausmann zeigte Verständnis für die Regelung: "Es werden nur die bestehenden Gesetze etwas fester angezurrt", sagte der 48-Jährige, der hauptamtlich Chef von Siemens in China ist. Er mahnte jedoch mehr "Transparenz" beim Visumsverfahren an.

Gleichzeitig sprach sich Hausmann für einen weniger rauen Ton im Umgang mit China aus. "Leise Töne und sanfte Diplomatie sind wirksamer als ein kraftvoller Auftritt". Ähnlich hatte sich zuvor schon BASF-Chef Jürgen Hambrecht geäußert. Er setzte sich dafür ein, Menschenrechtsfragen mit mehr Sensibilität anzusprechen, um chinesische Gesprächspartner nicht vor den Kopf zu stoßen. Derzeit beschäftigen die etwa 3000 deutschen Unternehmen in China laut Handelskammer rund 200.000 Mitarbeiter.

Für Hausmann sind die Olympischen Spiele ein Schlüsselereignis, von dem deutsche Unternehmen in China profitieren werden. "Großereignisse wie die Olympischen Spiele oder die Expo 2010 stellen eine Öffnung des Landes dar und sind ein ganz wichtiger Faktor für die Industrie", sagte er. Deshalb spreche sich die Handelskammer klar gegen einen Boykott der Spiele aus. Auch er selbst wolle sich die Eröffnungszeremonie ansehen. "Ich habe ein Ticket und freue mich darauf", sagte Hausmann.

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