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24.04.2008
 

Knappe Lebensmittel

US-Supermärkte rationieren Reis

Die weltweite Lebensmittelkrise erfasst auch die USA: Wegen der explodierenden Preise kommt es vielerorts zu Hamsterkäufen. Supermärkte reagieren jetzt mit Mengenbeschränkungen - Kunden dürfen maximal vier 20-Pfund-Packungen Jasmin-, Basmati- oder Langkornreis erwerben.

Los Angeles - Angebot und Nachfrage regeln den Preis - dieses Glaubensbekenntnis der Marktwirtschaft hat nirgendwo so viel Gültigkeit wie in den USA. Neuerdings gerät die Maxime jedoch ins Wanken. Ausgerechnet in den Vereinigten Staaten greifen Supermärkte zu einem Mittel, das sonst nur aus der Planwirtschaft bekannt ist: Sie rationieren die zum Verkauf stehende Menge an Produkten.

US-Konsumentin beim Reiskauf: Preisanstieg auf den Weltmärkten um 68 Prozent
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AP

US-Konsumentin beim Reiskauf: Preisanstieg auf den Weltmärkten um 68 Prozent

Auslöser war ein Ansturm bei der Einzelhandelskette Sam's Club, einer Tochter des Wal-Mart-Konzerns. Die Kunden kauften die Reisregale quasi leer, berichtet die "Los Angeles Times". Der Grund sind die explodierenden Preise - und die Angst der Verbraucher, dass Reis bald noch teurer werden könnte. An der Chicagoer Rohstoffbörse sprangen am Mittwoch die Futures, also Kaufkontrakte für die Zukunft, auf ein Rekordhoch.

Im vergangenen Monat verteuerte sich Reis in den USA nach Regierungsangaben um fast zehn Prozent. In einigen Geschäften, berichtet der britische "Guardian", habe sich der Preis binnen Wochen sogar verdoppelt.

Die Entwicklung in den USA ist ein Abbild der Situation auf den Weltmärkten. Hier ist der Reispreis seit Beginn des Jahres um 68 Prozent gestiegen. Mit ein Grund sind Exportbeschränkungen, die Produzentenländer wie China, Indien, Vietnam oder Ägypten verhängt haben. Die Staaten versuchen so, die heimischen Preise niedrig zu halten. Für den Rest der Welt bedeutet dies hingegen, dass Reis teurer wird.

Die US-Kette Sam's Club zog daraus die Konsequenz. Das Unternehmen erklärte, seine Kunden dürften pro Einkauf maximal vier Packungen Jasmin-, Basmati- oder Langkornreis erwerben. Die Regel solle "sofort" in allen US-Märkten gelten. Betroffen seien nur größere Packungen ab 20 Pfund, kleinere Haushaltsmengen würden nicht rationiert. Das Unternehmen begründet die Maßnahme mit den aktuellen "Angebots- und Nachfragetrends", berichtet die "LA Times".

Zu Beginn der Woche hatte bereits die Kette Costco gewarnt, es gebe Nachfragespitzen bei Mehl, Reis und einigen Speiseölen. Das Unternehmen erwägt ebenfalls, den Verkauf dieser Produkte zu beschränken - zumindest dort, wo Lieferengpässe bestehen. Man wolle lieber die Zahl der zu kaufenden Paletten rationieren, als den Verkauf ganz zu stoppen, erklärte Costco laut "LA Times".

Experten weisen darauf hin, dass die Hamsterkäufe vor allem von Inhabern kleiner Geschäfte durchgeführt werden. Insbesondere Restaurants sind auf die Belieferung von Costco oder Sam's Club angewiesen. Da viele Geschäftsleute weiter steigende Reispreise erwarten, wollen sie sich mit größeren Vorräten eindecken.

Private Haushalte hingegen können auch in Zukunft Lebensmittel kaufen - wenn auch zu höheren Kosten als bisher. "Es gibt keine Reisverknappung in den USA", sagt Tim Johnson, der Präsident der California Rice Commission, dem zuständigen Branchenverband. Auch das Landwirtschaftsministerium gibt Entwarnung: Das Reisangebot in den USA sei genauso hoch wie vor einem Jahr, berichtet die "LA Times". Von einer Hungerkrise wie in anderen Teilen der Welt könne bei weitem nicht die Rede sein.

wal

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