Wirtschaft



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24.04.2008
 

Spaßkultur-Export

Amerikaner bauen Vergnügungspark im Irak

Unterhaltungsoffensive in Bagdad: Eine US-Firma investiert 500 Millionen von Dollar in den Aufbau eines Vergnügungsparks im Stile Disneylands. Durch und durch auf amerikanisch getrimmt, soll er den Irakern westliche Spaßkultur in Kriegszeiten vermitteln.

Bagdad - An die Angriffe der Aufständischen und die Plünderungen hat sich Llewellyn Werner beinah schon gewöhnt. Der Chef einer Kapitalgesellschaft sitzt normalerweise im sonnigen Kalifornien. Sein neustes Projekt entsteht derzeit allerdings im Herzen Bagdads, wie die britische "Times" berichtet: ein Freizeitpark im Stile Disneylands. Werners Ziel: die gebeutelten Iraker positiv zu beeinflussen - mit reinster, uramerikanischer Spaßkultur.

Skateboardfahrer: USA verteilen 200.000 Skateboards gratis an irakische Kinder
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AFP

Skateboardfahrer: USA verteilen 200.000 Skateboards gratis an irakische Kinder

Um das zu garantieren, gestaltet genau die Firma den Park, die auch schon Disneyland zu einem bunten Knallbonbon reinster Unterhaltung machte. "Die Menschen brauchen das", sagt Werner der "Times". "Er wird eine durchschlagende psychologische Wirkung haben." Davon ist auch die irakische Regierung überzeugt. "In der Stadt gibt es kaum Möglichkeiten zur Unterhaltung", sagt Sprecher Ali al-Dabbagh. Weder Kinos noch Spielplätze seien geöffnet, der Erlebnispark sei daher genau das Richtige, vor allem für die Kriegskinder.

Der Park entsteht in der Nähe der sogenannten Grünen Zone, dem hoch gesicherten Regierungsviertel Bagdads. Neben einem Theater, einem Museum, Karussells und anderen Attraktionen, wird auch der alte Zoo Bagdads wieder errichtet. Nach Kriegsbeginn 2003 überlebten nur 35 von 700 Tieren. Viele verhungerten, einige wurden gestohlen, getötet und vermutlich verspeist. Jetzt bekommen die alten Gitter einen neuen Anstrich, Strauße, Bären und Löwen sollen dort heimisch werden.

Außerdem soll schon im Juli ein Skateboardpark eröffnet werden. 200.000 Skateboards werden dafür eigens aus den USA herangeschifft und zusammen mit Helmen, Knie- und Ellenbogenschützern kostenlos an irakische Kinder verteilt.

Diese Charmeoffensive lassen sich die Amerikaner einiges kosten: 500 Millionen Dollar, wie die "Times" berichtet. Die Verwaltung wird in den Händen der Iraker liegen. Die Holdinggesellschaft, die das Gebiet für 50 Jahre von der Stadt gepachtet hat, darf dort Wohnungen und Hotels errichten.

Das Projekt sei für eine gute Sache und zugleich rentabel, sagt Werner. "Ich wäre nicht dabei, wenn es kein Geld zu verdienen gebe." Seine Holding ist Partnerschaften mit zahlreichen irakischen Firmen eingegangen, investierte Millionen Dollar in Joint Ventures und andere Projekte. Doch das meiste Geld steckt in dem neuen Vergnügungspark, der jetzt schon einen großen Fan hat: General David Petraeus, Führer der US-Streitkräfte.

sil

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