München - Die Verwaltung soll schlanker werden und das geht nur mit weniger Mitarbeitern: "Es wird ganz klar zu einem Personalabbau kommen", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Zahlen könne er allerdings noch nicht nennen. "Wann kommt der Herr Löscher mit großen Personalabbauzahlen? Er ist noch nicht so weit. Sobald er soweit ist, wird er sich melden", sagte der Vorstandschef auf mehrfache Nachfragen bei der Halbjahreskonferenz des Konzerns.
Das Ziel des Umbaus ist allerdings klar: Bis 2010 will Siemens im Vertrieb und in der Verwaltung die Kosten um 1,2 Milliarden auf unter elf Milliarden Euro pro Jahr senken. Erst Mitte April hatte sich der Konzern außerdem mit den Arbeitnehmervertretern auf den geplanten Abbau von 1200 Arbeitsplätzen in der Telekommunikationssparte geeinigt.
Der Konzern hatte am Mittwoch wie erwartet einen herben Gewinneinbruch bekanntgegeben. Vor allem missratene Projekte im Kraftwerksbau und der Zugsparte sowie die Restrukturierungskosten für das zum Verkauf stehende Telefonanlagengeschäft SEN drückten den Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro, wie der Konzern mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 451 Millionen Euro gerechnet.
Weltweite Finanzkrise macht sich bemerkbar
Mit einem Rückgang des operativen Gewinns um ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro schnitt Siemens
allerdings besser ab als von Branchenexperten erwartet. Die Belastungen aus unrentablen Projekten fielen mit 857 Millionen Euro geringer aus als Siemens im März bei seiner Gewinnwarnung in Aussicht gestellt hatte. Der Umsatz sei um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen, teilte Siemens mit.
Auch die weltweite Finanzkrise wird sich laut Siemens-Chef Löscher im laufenden Geschäftsjahr mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft bemerkbar machen. "Fest steht, die Weltkonjunktur wird sich abschwächen", sagte er. "Wir gehen davon aus, dass die Folgen der Finanzkrise im Verlauf unseres kommenden Geschäftsjahres auch deutlicher in der Realwirtschaft ankommen werden." Beim Auftragseingang im Breitengeschäft in Deutschland sehe der Dax-Konzern bereits erste Anzeichen einer "zunehmenden Vorsicht der Kunden", so Löscher weiter. Siemens selbst hält aber an seinen Renditezielen für 2010 festhalten.
Neben dem Personalabbau und dem Gewinneinbruch ist es immer noch die Korruptionsaffäre, die für Unruhe im Unternehmen sorgt. Am Dienstag hatte die US-Kanzlei Debevoise und Plimpton einen umfassenden Bericht zu ihren Untersuchungen vorgelegt - und dabei ein bisher ungekanntes Ausmaß an Korruption in fast allen Geschäftssparten des Unternehmens festgestellt. "Das Ausmaß und die Breite" der Korruptionsaffäre habe er nicht erwartet, sagte Löscher dazu. "Das hat mich persönlich überrascht."
"Fakten im Sinne von Beweisen gibt es noch nicht"
Allerdings habe der Skandal nicht dem Geschäft geschadet: "Wir haben keinerlei Vertrauensverluste von Kunden." Das beweise auch der starke Anstieg des Auftragseingangs im ersten und zweiten Quartal. Allerdings machen sich die Kosten bemerkbar: Allein für Beraterhonorare und Kontrollmaßnahmen musste Siemens im zweiten Quartal 175 Millionen Euro ausgeben.
Namen von beschuldigten ehemaligen Mitarbeitern will Siemens allerdings nicht nennen. "Fakten im Sinne von Beweisen gibt es noch nicht", sagte der für Korruptionsbekämpfung zuständige Siemens-Vorstand Peter Solmssen und warnte: "Vorverurteilungen sind nicht akzeptabel." Aber die Ermittler hätten Pflichtverletzungen festgestellt. "Wir klären die individuelle Verantwortung ohne Ansehen der Person", sagte Solmssen und kündigte erneut an, dass Siemens "gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen" werde: "Wer Schaden für das Unternehmen verursacht hat, muss mit Konsequenzen rechnen", betonte der Anti-Korruptionsbeauftragte.
Bei den Gesprächen mit der US-Börsenaufsicht SEC stellt sich Siemens auf lange Verhandlungen ein. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Gespräche über viele Monate erstrecken werden", sagte Solmssen. Die Stimmung habe sich hier nicht geändert: "Wir machen es richtig. Unser Verhalten wird sich lohnen", sagte Solmssen mit Blick auf die angekündigte rigorose Aufklärung und die verschärften internen Regeln.
sam/AP/dpa-AFX/Dow Jones
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So ist es leider. In anderen Ländern gibt es halt andere Gesetze. Um sich da Aufträge zu sichern, muß man schmieren. Und das geht bei einem deutschen Unternehmen nur mit entsprechenden (schwarzen) Kassen. Das weiß auch Jeder. [...] mehr...
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Siemens war nicht mehr oder weniger korrupt als seine Konkurrenten! Es passte jedoch in die Strategie von General Elektric und der US Administration, die Deutschen zu schwächen, um einen Teil der Marktpositionen im Nahen und [...] mehr...
Zumindest deutlich vorsichtiger. Und wenns dann nur eben der nächst-korrupte den Auftrag kriegt und Siemens dafür halt bißchen mehr Kurzarbeit und Personalabbau hat. mehr...
warum fragt man das nur bei Siemens? Korruption schlägt dem angewiderten Bürger aus allen Ecken entgegen. Wie ist das mit der FDP und deren Handaufhalten? CSU und CDU sollen besser sein? Lachhaft, wenn es nicht so katastrophal [...] mehr...
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