Wirtschaft



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06.05.2008
 

Schmiergeldaffäre

Korruptionsverdacht gegen Alstom erhärtet sich

Erst Siemens, jetzt Alstom: Der französische Industriekonzern ist wegen Schmiergeldverdachts ins Visier der Ermittler geraten. Einem Bericht zufolge zahlte das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag, um an Aufträge zu kommen.

Hamburg - Die Behörden in der Schweiz und in Frankreich werfen Alstom Chart zeigen vor, zwischen 1995 und 2003 Bestechungsgelder gezahlt zu haben, um sich Aufträge in Asien und Südamerika zu sichern, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Ein Sprecher des Unternehmens lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Alstom-Produkt AGV: Ermittlungen seit 2004
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DPA

Alstom-Produkt AGV: Ermittlungen seit 2004

In der vergangenen Woche hätten sich Vertreter der Schweizer und der brasilianischen Polizei im Zusammenhang mit der Zahlung von 6,8 Millionen Dollar getroffen, berichtet die Zeitung. Alstom werde verdächtigt, diese Summe gezahlt zu haben, um an einen 45-Millionen-Dollar-Auftrag der U-Bahn von São Paulo zu kommen. Außerdem gehe es um Zahlungen über insgesamt 200 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Projekten in Brasilien, Venezuela, Singapur und Indonesien.

Die Schweizer Behörden haben jetzt offiziell Hilfe von französischen und brasilianischen Ermittlern angefordert. Ihren Erkenntnissen zufolge werden bisher 24 Personen verdächtigt, an den Schmiergeldzahlungen beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben.

Dem Bericht zufolge begannen die Untersuchungen schon im Jahr 2004, nachdem Wirtschaftsprüfer ungeklärte Zahlungen von 20 Millionen Euro entdeckt hatten. Erstmals berichteten Zeitungen im November 2007 über Korruptionsvorwürfe bei Alstom. Im vergangenen Jahr berichteten laut "Wall Street Journal" zwei Angestellte des Konzerns von Zahlungen im Auftrag ihrer Firma. Die Zeitung zitierte einen von ihnen, Michel Mignot, mit den Worten: "Ich habe niemals auch nur einen Cent für mich behalten. Ich hielt diese Transaktionen nicht für illegal, weil sie getätigt wurden, um Aufträge für Bauprojekte in der ganzen Welt zu bekommen."

Alstom ist einer der größten Konzerne in Frankreich. Es produziert unter anderem Bauteile für Kernkraftwerke und Hochgeschwindigkeitszüge. Einer seiner größten Konkurrenten ist Siemens; das Unternehmen macht selbst eine Korruptionsaffäre durch: In mindestens zehn Ländern soll Siemens Chart zeigen insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro Schmiergeld gezahlt haben, um Aufträge an Land zu ziehen. Außerdem steht Siemens im Verdacht, die arbeitgeberfreundliche Gewerkschaft AUB mitfinanziert zu haben.

Dem "Wall Street Journal" zufolge beschweren sich US-Unternehmen schon seit Jahren über die Schmiergeldpraxis europäischer Konkurrenten. Gelder an Regierungsvertreter von Entwicklungsländern zu zahlen, um den Zuschlag für Aufträge zu bekommen, sei in Europa nicht nur erlaubt, sondern sogar steuerlich abzugsfähig gewesen. Dies habe sich erst seit 1997 geändert, als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Ende dieser Praxis forderte. In Frankreich wurde die Bestechung ausländischer Regierungsvertreter im Jahr 2000 gesetzlich verboten.

kaz/Reuters

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