Zyklon-Schäden
Nach Sturm droht Reisknappheit in Burma, Sri Lanka und Bangladesch
Tausende Tote, Hunderttausende Obdachlose - und womöglich bald Millionen Hungernde: In Burma wird das Grundnahrungsmittel Reis knapp. Große Teile der Felder wurden mit Salzwasser überspült. Die hohen Reispreise vor allem in den armen Ländern dürften deshalb weiter steigen.
Bangkok - Der Wirbelsturm "Nargis" hat das Hauptanbaugebiet für Reis in Burma schwer getroffen, sagte am heutigen Dienstag der Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), Paul Risley. Deshalb stünden nun die Versorgung der Bevölkerung und auch die von Burma zugesagten Exporte in Frage. Durch die Überflutungen sei Salzwasser in die Reisfelder geschwemmt worden. Es gebe die Sorge, ob Burma sich weiterhin selbst versorgen und die an Reisknappheit leidenden Länder Sri Lanka und Bangladesch beliefern könne.
Nach Angaben von Augenzeugen waren schon am Tag, nachdem der Zyklon das Land getroffen hatte, die Lebensmittel knapp. Es fehle vor allem an Reis und sauberem Wasser, zitiert die Nachrichtenagentur dpa einen deutschen Mediziner.
Burma hatte nach Angaben Risleys in diesem Jahr begonnen, Reis zu exportieren - im Gegensatz zu anderen Ländern der Region, die Exportverbote verhängten oder ihre Ausfuhren einschränkten. Laut der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) wollte Burma 500.000 Tonnen Reis ins Ausland verkaufen.
Seit Jahresanfang steigt der Preis für Reis wegen schlechter Ernten unaufhörlich. Durchschnittlich haben sich die Kosten für Reis seither verdreifacht. Der Zyklon "Nargis" verschärft nun die Situation drastisch.
Zusammen mit der Weltbank hat die Uno bereits eine Eingreiftruppe gebildet und Bauern in den ärmsten Ländern Saatgut für mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt. Auf den Philippinen wurden Reiskarten ausgegeben, mit denen das Grundnahrungsmittel zum halben Marktpreis eingekauft werden kann. Manche Produzentenländer wie China, Indien, Vietnam und Ägypten haben ein Exportverbot oder Ausfuhrbeschränkungen für Reis verhängt. Diese Länder versuchen so, die heimischen Preise niedrig zu halten. In Importländern wird das Lebensmittel dadurch teurer.
WARUM DIE LEBENSMITTELPREISE SO HOCH SIND
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In China, Indien und anderen Schwellenländern wächst die Mittelschicht, die sich dank ihres neuen Wohlstandes anders ernährt. Und das heißt: mehr Fleisch und Milch, weniger Reis und Gemüse. Für die Herstellung von Fleisch benötigt man allerdings vergleichsweise viel pflanzliche Nahrung, so müssen etwa für eine Kalorie Rindfleisch sieben Kalorien Pflanzennahrung verfüttert werden. Zwar ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 50 Kilogramm pro Jahr schon heute mehr als halb so hoch wie in den Industrieländern. Trotzdem gab es in dem Land zuletzt eine Überproduktion an Reise und anderen Grundnahrungsmitteln. Das Land führte zuletzt netto noch Fleisch aus. Nur bei Sojabohnen und Futtermittel für Hühner wurde im großen Stil importiert.
Laut Weltbank ist es der verstärkte Anbau der sogenannten Energiepflanzen, der je nach Land 30 bis 70 Prozent der Preissteigerungen verursacht haben könnte. Denn vor allem in Europa und den USA werden immer häufiger Mais, Raps, Futterrüben oder Zuckerrohr mit dem Ziel angebaut, daraus Biokraftstoffe zu gewinnen. Damit soll die Abhängigkeit von Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas vermindert werden und der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden. Experten schätzen, dass die Biospritherstellung derzeit weltweit mit jährlich sechs Milliarden US-Dollar subventioniert wird, allein in der EU fließen jedes Jahr 90 Millionen Euro an Subventionen. Allerdings bemängeln Kritiker, dass der Anbau von Energiepflanzen zu Lasten von Wasser, Boden und Biodiversität gehe. Dazu kommt die verschärfte Konkurrenz um Anbauflächen.
Längst wird an den internationalen Börsen auch mit Papieren gehandelt, die auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln setzen. Experten vermuten, dass etwa ein Viertel des Preisanstiegs bei den Nahrungsmitteln auf Spekulationsgeschäfte zurückzuführen ist. Welchen Einfluss diese Handelsströme haben, hat sich am Beispiel der Ukraine gezeigt: Als das Land beschloss, mehr Raps für die EU anzubauen, stieg der langfristige Weizenpreis um ein Drittel. Als US-Präsident George Bush ankündigte, Bio-Ethanol zu fördern, verdoppelte sich der Zuckerpreis.
Ein Teil des Preisanstiegs der vergangenen Monate ist auf normale wie vorübergehende Faktoren zurückzuführen: In einigen Teilen der Welt kam es durch Dürre oder heftige Regenfälle in den vergangenen zwei Jahren zu schlechten Ernten. So hat Australien, immerhin einer der größten Weizenexporteure der Welt, 2006 und 2007 massiv unter Trockenheit gelitten; die Ernte sank von 25 Millionen Tonnen Weizen auf 13 Millionen Tonnen. Auch in der EU ernteten die Bauern zehn Millionen Tonnen weniger Getreide als erwartet - gleichzeitig sind die Lager der EU so leer wie noch nie. Denn in den vergangenen Jahren war es das erklärte Ziel, die Überproduktion abzubauen.
kaz/AFP