Köln - Von "menschenverachtenden Arbeitsbedingungen" sprach der 65-jährige Enthüllungsautor. Gravierende Sicherheitsmängel sorgten immer wieder für Verbrennungen und andere Verletzungen, hatte Wallraff im Zuge seiner Undercover-Recherche herausgefunden. "So ein Betrieb müsste eigentlich vorübergehend stillgelegt werden."
Die Veröffentlichung eines Artikels in der Magazinbeilage "Leben" der Wochenzeitung "Die Zeit" über die Zustände in der Brötchenfabrik hatte Konsequenzen: Vier Tage lang stand die Produktion still, eine Putzkolonne entfernte in dieser Zeit Schimmel, sagte Wallraff der Nachrichtenagentur dpa.
Für Wallraff persönlich hatte die Recherche ebenfalls Konsequenzen: Der Inhaber der Fabrik habe gegen ihn nach seinem Niedriglohn-Einsatz Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt, sagte er weiter.
Das Einschleichen in Betriebe unter falscher Identität, um später Missstände anzuprangern, ist Wallraffs Markenzeichen. Berühmt wurde er als türkischer Arbeiter Ali ("Ganz unten") oder "Bild"-Reporter Hans Esser.
Wallraff hatte als angeblich 51 Jahre alter Frank K. in der Fabrik in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Stromberg gearbeitet, die ausschließlich für Lidl in Europa Aufbackbrötchen herstellt. In der Magazinbeilage "Leben" der Wochenzeitung "Die Zeit" schildert der Schriftsteller, wie die Arbeiter bis zur Erschöpfung für deutlich weniger als acht Euro brutto Stundenlohn schuften, wie es immer wieder zu Unfällen kommt, Sicherheitsvorkehrungen am Fließband nicht eingehalten werden und Schimmel an den Wänden wächst.
Zwar habe ihm der Lidl-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Gehrig in der Talkshow "Johannes B. Kerner" am Dienstagabend zugesagt, er werde sich für bessere Arbeitsbedingungen bei dem Lieferanten einsetzen, sagte Wallraff. Er habe aber Sorge, dass es nicht zu Veränderungen kommen werde, auch wegen des Preisdrucks in der Produktion.
Auf der Lidl-Homepage hieß es dagegen, es sei dem Discounter nachgewiesen worden, dass die Brötchenfabrik nach dem höchsten Standard für Lebensmittelbetriebe zertifiziert worden sei. Lidl habe dem Hersteller in den vergangenen zwei Jahren mehrere deutliche Preiserhöhungen gezahlt.
kaz/dpa/dpa-AFX
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