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26.05.2008
 

Ökokraftwerke

Bürger nehmen Stromversorgung selbst in die Hand

Von Tobias Lill

Die großen Energiekonzerne bekommen Konkurrenz: Mit ihren Kohle- und Atommeilern machen sie zwar Milliardengewinne, doch auf dem boomenden Ökomarkt haben sie das Nachsehen - die meisten Windräder und Solaranlagen gehören Privatleuten. In Bremen entsteht jetzt das erste Bürger-Wasserkraftwerk.

Anfangs war Hans Glaß noch neugierig. Manchmal ging er rauf zum Hügel unweit seines Dorfes, dorthin, wo das 133 Meter hohe Windrad steht. Dann überprüfte er den Zählerstand - vor allem, wenn es in der Nacht gestürmt hatte. Schließlich ist Glaß' Familie wie die meisten anderen Haushalte des Dorfes unmittelbar an den Gewinnen des Windrades beteiligt.

Glaß ist ehrenamtlicher Geschäftsführer der "Windenergieanlage Wittesheim", die knapp einen Kilometer hinter dem 230 Einwohner großen bayerischen Dorf liegt. 50 Wittesheimer und 15 Auswärtige investierten im Jahr 2002 in das Bürgerwindrad. Die Höhe der Einlagen war dabei sehr unterschiedlich - insgesamt kam ein Startkapital von 1,1 Millionen Euro zusammen. Die restlichen 900.000 Euro für den Bau schoss die heimische Raiffeisenbank zu.

Mittlerweile ist Glaß ziemlich entspannt. Ruhig zählt er die Sekunden. "Das Geld vermehrt sich von selbst", sagt er und lächelt. Pro Stunde erwirtschaftet das Rad rund 20 Euro für die Dorfgemeinschaft. In einer stürmischen Nacht kann der Gewinn sogar in die Tausende Euro gehen.

Eine Gelddruckmaschine ist die Anlage zwar nicht - mit einer Rendite von fünf Prozent gleiche sie eher "einem besseren Sparbuch", sagt Glaß. Eine "Investition für die nächste Generation" sei das Rad aber in jedem Fall. Der Stahl- und Betonkoloss deckt mit einer Leistung von 2,5 Megawatt den Stromverbrauch der Wittesheimer um ein Zehnfaches ab. Und nebenbei werden 2600 Tonnen CO2 eingespart, die ein konventionelles Kraftwerk in die Atmosphäre pusten würde.

Auch ohne das Engagement der Wittesheimer wäre bei dem Dorf wohl auf kurz oder lang ein Windrad gebaut worden. "Schließlich war die Region bei den Planern im Landratsamt als potentieller Standort für eine Anlage vorgesehen", sagt Glaß. Doch dann hätten nur Großunternehmen an den Subventionen verdient. "Wir wollten hier keine Anlage in Konzernhand haben, bei der der Landwirt nur noch der Knecht des Unternehmens ist."

Anders als bei vielen anderen Windkraftanlagen gab es in Wittesheim keine Proteste und Klagen. "Wer von der Windkraft finanziell profitiert, der hat nichts dagegen", sagt Glaß. Nur von außerhalb seien den Menschen Lügen erzählt worden. Etwa, dass die Vögel und Käfer sterben würden. "Quatsch", sagt Glaß. Kein Dorfbewohner habe je einen zerfetzten Vogel gesehen. Auch die Lautstärke der Propeller störe niemanden. "Nur an ein paar Tagen im Jahr, wenn es richtig windig ist, hört man das Rad. Und dann weiß man, dass man gerade Geld verdient."

"Bürgerwindparks sind eine gute Anlage für den kleinen Mann", sagt auch Ulf Gerder, der Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE). Genau diese Aussicht auf Profit ist es, die vielerorts hilft, Widerstände in der Landbevölkerung gegen Windräder aufzuweichen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Laut BWE sind fast zwei Drittel der rund 19.000 Windkraftanlagen in Deutschland Bürgerwindparks. Das heißt, sie befinden sich ganz oder teilweise in der Hand von Privatpersonen. Dort hingegen, wo fremde Investoren Anlagen aufstellen, erinnert der Widerstand bisweilen an die Proteste gegen Kohle- oder Atomkraftwerke. Hunderte weitere Windräder wären nach Ansicht von Umweltverbänden allein in Süddeutschland ohne Gefahren für die Natur möglich, wenn sich die Bevölkerung oder Lokalpolitiker nicht dagegen sträubten.

Vor allem in wirtschaftlich schwächeren und dafür an Wind umso reicheren Regionen stieß die Idee von der volkseigenen Windkraft auf hohe Resonanz. So etwa im nordfriesischen Grenzörtchen Ellhöft. "Hier gibt es nicht viel, womit die Leute Geld verdienen können. Deshalb warten die Menschen regelrecht auf neue Anlagen", sagt Reinhard Christiansen, der Geschäftsführer des Windparks Ellhöft. Der 8,4 Megawatt starke Bürgerwindpark mit 50 Gesellschaftern ging im Sommer 2000 ans Netz. Ein Viertel der 8,5 Millionen Euro für die sechs Räder brachten die Dorfbewohner ein, den Rest die örtliche Raiffeisenbank.

Die Geschäfte laufen gut: Christiansen schwärmt von "jährlichen Renditen im zweistelligen Prozentbereich". Auch viele Ellhöfter, die keine Anteile erworben haben, freuen sich über den Windpark. So erhalten etwa Eigentümer von Grundstücken, die nicht selbst Standort der Anlagen sind, aber in deren Nähe liegen, Pachtzahlungen. Diejenigen Dorfbewohner, auf deren Flächen Wege zu den Windrädern gebaut wurden, verdienen ebenfalls. "Viele Aufträge gehen zudem an Unternehmen aus der Gegend", sagt Christiansen.

Nicht immer geht die Rechnung auf

Windlobbyist Gerder schwärmt: "Der überwiegende Teil der Wertschöpfung der Bürgerwindparks bleibt in der Region." Auch in Ellhöfts Nachbarorten stieß das Projekt deshalb auf großes Interesse. 220 Einzelpersonen, darunter 30 Dänen, schlossen sich zur Grenzstrom Vindved KG zusammen und bauten im vergangenen Jahr vier Windräder. Noch in diesem Jahr sollen drei der weltweit größten Räder mit Flügelspannweiten von 126 Metern hinzukommen. Nach zwölf Jahren, schätzt Christiansen, werde sich die Investitionssumme von mindestens 2000 Euro je Eigner amortisiert haben. Die erwartete jährliche Rendite: acht Prozent.

Doch nicht jeder Windpark ist ein lohnendes Geschäft. Diese bittere Erfahrung mussten die Kommanditisten des Windparks Himmelreich in Bayern machen. Wetterbedingt ist ihr Windpark in die Insolvenz geraten. Neben einer möglichen Flaute machen auch die hohen Anlagenpreise manches Windrad zu einem riskanten Investment. Schuld sind die weltweit wachsende Nachfrage und die steigenden Stahlpreise. "Insbesondere Parks im Binnenland sind nicht immer renditeverwöhnt", sagt Unternehmer Christiansen.

Dennoch gehen auch in diesem Jahr mehrere neue Bürgerwindparks ans Netz, zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Hilchenbach, wo derzeit einer der höchsten Parks Europas entsteht. Sogar auf dem Meer ist ein Bürgerwindpark geplant. Das Projekt Butendiek liegt rund 30 Kilometer vor Sylt. Im Jahr 2001 kauften dort 8400 zumeist aus der Region stammende Menschen Anteile von mindestens 250 Euro und finanzierten so die Kosten der Planungsphase. Allerdings lässt der Baubeginn des 240-Megawatt-Projekts noch auf sich warten.

Greenpeace hat 14.000 Genossenschaftsmitglieder

Die Windkraft ist nicht die einzige regenerative Energie, bei deren Erzeugung Menschen aus der Region verdienen. "Es gibt beim Ökostrom zahlreiche Gesellschaften mit Bürgerbeteiligung", sagt ein Greenpeace-Sprecher. Das gilt selbst für die Wasserenergie. In Bremen soll sie künftig den Anwohnern hohe Gewinne in die Tasche spülen.

In der Hansestadt soll Deutschlands erstes Wasserkraftwerk mit Bürgerbeteiligung entstehen: 51 Prozent der 16 Millionen Euro Eigenkapital will sich die Wasserkraftwerk Bremen GmbH von umwelt- und renditebewussten Bürgern zuschießen lassen. Ab einer Mindesteinlage von 2500 Euro können Interessierte einsteigen. Das Werk soll rund 14.000 Haushalte mit Elektrizität versorgen.

Bei einer anderen Ökoenergie, der Sonne, profitieren ebenfalls viele Privatleute: Hausbesitzer mit einer Solaranlage dürfen ihren Strom zu rund 45 Cent pro Kilowattstunde in das öffentliche Netz einspeisen - ein Preis, der deutlich über dem Marktniveau liegt.

Und selbst beim Stromhandel sind Genossenschaften und Kommanditgesellschaften auf dem Vormarsch. So versorgt Greenpeace Energy mittlerweile 80.000 Kunden mit Ökostrom. Der Umsatz verdreifachte sich von 2004 bis 2006 auf rund 35 Millionen Euro. Die Gewinne teilen sich 14.000 Genossenschaftsmitglieder.

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Die neuesten Beiträge:
11.09.2009 von Hermes75:

So pauschal ist die Aussage kompletter Dummfug. Die Lebensdauer einer Konstruktion hängt weniger vom Baustoff, als vielmehr von der richtigen Verarbeitung und Instandhaltung ab. Natürlich wird ein Stahlmast ohne [...] mehr...

11.09.2009 von Olaf:

Das ist nicht Neues. Die meisten Beiträge im SPON zu dem Thema Erneuerbare Energien haben das inhaltliche Niveau der 7.- 8. Klasse. Die haben meiner Meinung nach nicht den geringsten Grund auf die BILD-Zeitung herab zu sehen. [...] mehr...

11.09.2009 von Bias:

Die Aussage ist zumindest nicht falsch. Oder haben Holztürme etwa eine Lebensdauer von weniger als zwei Jahrzehnten? mehr...

11.09.2009 von promedico: Aha!

Zitat: Stahl ermüde bei ständiger Belastung schneller als Holz, "stählerne Windtürme halten 20 Jahre, dann sind sie durch, Holztürme dagegen haben eine Lebensdauer von mindestens zwei Jahrzehnten." Ein Beitrag für [...] mehr...

11.09.2009 von sagenhaft: Auf der Uni aufgepaßt

---Zitat--- *Herr der Holzbeine* Banken und Privatinvestoren sind begeistert http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,647615,00.html Stahl ermüde bei ständiger Belastung schneller als Holz, *"stählerne [...] mehr...

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