Bisher lässt der hohe Ölpreis die Bundesregierung kalt. Wachstumsprognosen werden, wenn überhaupt, nur leicht nach unten korrigiert. Fossile Rohstoffe, so das schwarz-rote Credo, seien noch lange vorhanden. Diese Einstellung dürfte sich sogar eine Weile halten - wirklich weh tut der Ölpreis ja noch nicht.
Eines Tages könnte die Stimmung jedoch kippen. Eine mögliche Schmerzgrenze wären zum Beispiel 200 Dollar pro Fass - ein Preis, den die renommierte US-Bank Goldman Sachs für die kommenden sechs Monate voraussagt, spätestens jedoch für die kommenden zwei Jahre.
Wenn es so weit ist, dürfte die Regierung recht schnell hektische Maßnahmen ergreifen. So könnte sie den Druck auf die Autoindustrie erhöhen, damit diese mehr Geld in die Forschung steckt. Außerdem dürften die eigenen Forschungsausgaben von Bund und Ländern steigen. Daneben wäre auch ein neues Förderprogramm für Ökoenergien denkbar - ebenso wie ein Comeback der Atomkraft, je nach politischer Konstellation.
Langfristig müssen sich die Bürger vermutlich auf harte Sparmaßnahmen einstellen. Nämlich dann, wenn der hohe Ölpreis die Wirtschaft abwürgt und die Steuereinnahmen versiegen. Um das Problem zu lösen, könnte die Regierung die Ökosteuer erhöhen. Das würde Benzin und Diesel zwar weiter verteuern - gleichzeitig hätten die Bürger aber Anreiz, sich so schnell wie möglich von fossilen Energien unabhängig zu machen.
Die größten Schwierigkeiten drohen allerdings auf internationaler Ebene, wenn sich der weltweite Kampf um Rohstoffe verschärft. Zwischen Ölförderländern und Ölverbrauchern dürften ernste Konflikte entstehen, Belastungen könnte es vor allem in den Beziehungen zu Russland, Lateinamerika und dem Nahen Osten geben. Daneben geraten aber auch die Energie verbrauchenden Nationen in immer schärfere Konkurrenz zueinander. Krisen zwischen Europa, den USA, China und Indien scheinen programmiert.
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