Wirtschaft



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25.05.2008
 

Pressestimmen

Schelte für Schnüffel-Telekom

Manager, Journalisten und Aufsichtsräte - sie alle wurden von der Deutschen Telekom ausspioniert. Ein Skandal sondergleichen, urteilt die deutsche Presse. Die Kommentatoren beklagen eine unentschuldbare Schnüffelei, die die deutsche Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

"Braunschweiger Zeitung": "Das Ansehen der Deutschen Telekom ist ramponiert, der Schaden dürfte unermesslich sein. Welcher Kunde möchte schon den Service einer Schnüffel-Kom genießen? Vorstandschef René Obermann hat die Gefahr blitzschnell erkannt und die Flucht nach vorn angetreten. Was bleibt ihm auch übrig, als lückenlose Aufklärung zu versprechen? Es ist ja wohl das Mindeste, doch retten lässt sich damit eigentlich nichts. Bei der Telekom ist eben nicht nur unerlaubt Mitarbeitern hinterherspioniert worden, was für sich genommen schon schlimm genug wäre. Bewusst wurden die Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten ins Visier genommen. Die Spitzeleien sind deshalb nichts Geringeres als schwerwiegende und fortgesetzte Angriffe auf die Pressefreiheit mithin ein Angriff auf eine Grundsäule unserer Demokratie."

"Westdeutsche Zeitung" (Düsseldorf): "Seit Januar spielt die Telekom eine Art Hilfspolizist des Staates, weil Telekommunikationsunternehmen die technischen Daten aller Verbindungen sechs Monate lang speichern müssen. Frage: Wenn schon die Telekom als Vorzeigeunternehmen, bei dem der Bund Hauptaktionär ist, bewiesen hat, dass sie mit solchen technischen Möglichkeiten nicht verantwortungsvoll umgehen kann, was geschieht dann bei anderen Firmen? Auf jeden Fall wird eine erbitterte neue Datenschutz-Debatte beginnen."

"tageszeitung": "Bisher konnten vorsichtige Bürger ihrer Telefonfirma verbieten, die Verbindungsdaten zu speichern. Das haben zwar nicht viele Kunden genutzt, aber zumindest bestand die Chance, Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Jetzt hat der Staat jedoch die Firmen verpflichtet, die Daten ein halbes Jahr für eventuelle polizeiliche Zwecke zu speichern. Vorratsdatenspeicherung nennt sich das. Der Staat setzt die Bürger damit dem Risiko aus, dass ihre Daten durch die Telefonfirmen missbraucht werden, wie der Vorgang bei der Telekom mehr als deutlich gemacht hat. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Vorratsdatenspeicherung unverhältnismäßig und damit verfassungswidrig ist."

"Abendzeitung" (München): "Bei einer Schnüffel-Orgie wie bei der Telekom fehlen einem alle Worte. Wie verantwortungsvoll geht der Konzern eigentlich mit den Daten seiner Kunden um, wenn sich die Sicherheitsabteilung dermaßen ungeniert über die Gespräche von Führungskräften und Journalisten informiert hat? Viele Bürger, denen die seit Januar vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung der Telefonfirmen Angst macht, dürften sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen."

"Kölner Stadt-Anzeiger": "Der Zweck heiligt die Mittel? Nein, was sich die Telekom mit dem Ausspionieren von sensiblen Telefonverbindungen geleistet hat, lässt sich vielleicht erklären, keinesfalls entschuldigen. Natürlich steht ein Konzern unter Hochdruck, wenn ständig vertrauliche Information aus dem innersten Zirkel an die Öffentlichkeit gelangen. Doch die Telekom hat eindeutig Grenzen der Aufklärungsmöglichkeiten verletzt. Die Bespitzelungs-Affäre wird einen schweren Image-Schaden für die Telekom zur Folge haben. Diese Gefahr hat Telekom-Chef Obermann erkannt. In der Tat muss jetzt eine unabhängige Untersuchung rasch Licht in das dubiose Dunkel mit allen Hintermännern bringen."

"Handelsblatt" (Düsseldorf): "Wenn sich die Vorwürfe bei der Deutschen Telekom bestätigen sollten, droht der deutschen Wirtschaft ein Skandal, der sie in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Ausgerechnet die Telekom, die Hüterin des Fernmeldegeheimnisses, soll selbst in flagranter Weise gegen die Sicherheit ihrer Daten verstoßen haben. Schon die Bespitzelung der eigenen Vorstände, Aufsichtsräte und Betriebsratsmitglieder muss einen Aufschrei auslösen. Im Falle der Telekom aber geht es offenbar darüber hinaus um einen massiven Angriff auf die Pressefreiheit, der in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland seinen Vergleich sucht."

"Frankfurter Rundschau": "Mitten im friedlich demokratischen Rechtsstaat wuchert der Morbus kontrollitis. Umso weniger ist es erträglich, wenn die Spitzen von Privatunternehmen sich ein Recht herausnehmen, das in dieser absoluten Form nicht einmal Institutionen des demokratisch verfassten Rechtsstaats haben: einfach mal eben so die Daten von Mitarbeitern auf brauchbare Hinweise für womöglich missliebiges Verhalten zu durchwühlen. Einfach so. Ohne Schranken. Ohne Kontrolle. Wenn der einstige Staatskonzern Telekom derart mit Mitarbeitern umgeht, taucht die Frage auf, was mit Kundendaten geschieht."

tno/dpa/AFP

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