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28.05.2008
 

Preiskrieg

Milchbauern organisieren europaweiten Lieferboykott

In Deutschland streiken Tausende Milchbauern, jetzt schließen sich Kollegen aus anderen europäischen Staaten an. In Holland wollen Landwirte ihre Milch auf den Acker kippen, in Österreich sollen die Lieferungen um 50 Prozent reduziert werden. Molkereien fürchten bereits Versorgungsengpässe.

Frankfurt am Main - Der Streik der deutschen Milchbauern weitet sich massiv aus. Er rechne damit, dass sich andere Länder dem Lieferboykott anschließen, sagte der Vizechef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Stefan Mann, der "Frankfurter Rundschau". Milchbauernverbände aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Belgien, Luxemburg und Teilen Frankreichs hätten ihre Unterstützung zugesagt. Mit Irland liefen Gespräche.

Kuh bei Protestaktion: Milch, marsch!
DPA

Kuh bei Protestaktion: Milch, marsch!

Dem Bericht zufolge hat Sieta van Keimpema, die Vorsitzende des niederländischen Milchbauernverbands Dutch Dairymen Board und gleichzeitig Vizepräsidentin des European Milk Boards, die holländischen Bauern aufgefordert, ihre Milch ab sofort auf den Acker zu kippen. Die österreichische IG-Milch rief ihre heimischen Erzeuger dazu auf, die Lieferungen um 50 Prozent zu reduzieren. Auch in der Schweiz wollten sich die Milchbauern mit dem Protest in Deutschland solidarisch zeigen. "Ich rechne damit, dass noch mehr Länder dazukommen", sagte BDM-Vizechef Mann.

Die Landwirte kämpfen für höhere Abnahmepreise. Ihrer Ansicht nach zahlen die Molkereien zu wenig für ihre Milch. Mit Massenprotesten und Lieferboykotten wollen sie den Handel zu Zugeständnissen zwingen. Am gestrigen Dienstag kehrten viele Tanklastwagen unverrichteter Dinge von den Höfen in die Molkereien zurück. "Wir sind entschlossen, erst dann wieder zu liefern, wenn kostendeckende Preise bezahlt werden", sagte BDM-Chef Romuald Schaber.

Der Milchindustrieverband, der die großen Milchabnehmer vertritt, relativierte indes die Angaben der Bauern. Eine Abfrage bei den Molkereiverbänden in den Niederlanden, Frankreich und Österreich habe ergeben, dass dort von einem Lieferboykott keine Rede sei.

In Deutschland belaufe sich der Ausfall bei den Molkereien "auf lediglich fünf bis 30 Prozent". Ein solcher Rückgang könne vorläufig durch die saisonal bedingte Überproduktion aufgefangen werden. "Sollte es aber eine Woche lang einen Lieferausfall von 50 Prozent geben, haben wir ein Problem. Dann wird die Versorgung mit Frischmilch knapp", gab Verbandsgeschäftsführer Eckhard Heuser zu. Laut "Bild"-Zeitung haben die deutschen Milchbauern ihre Lieferungen an den Handel um bis zu ein Drittel gedrosselt.

Der Einzelhandelsverband HDE kritisierte den Milchstreik. "Milch wegzukippen, während Menschen hungern, ist ein Frevel und eine Riesensauerei", sagte Sprecher Hubertus Pellengahr.

Das Landwirtschaftsministerium in Berlin stellte sich dagegen auf die Seite der Bauern. Der Handel müsse endlich wieder zu fairen Preisen zurückkehren, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller (CSU) der "Passauer Neuen Presse". "Wir dürfen unsere heimische Milchproduktion nicht kurzfristigen Interessen opfern." Das Ministerium erwarte aber schon bald eine Entspannung an den Milchmärkten. "Wir gehen davon aus, dass sich die Auszahlungspreise spätestens in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren", sagte Müller.

Die FDP kritisierte das europaweite System der Milchquoten. "Diese planwirtschaftliche Regulierung brachte den Landwirten keine auskömmlichen Milchpreise und verhinderte nicht das rasante Höfesterben in den vergangenen Jahrzehnten", sagte Parteivize Rainer Brüderle.

wal/ddp/dpa-AFX/AFP/AP

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