Köln - Öl, Benzin - und jetzt auch Gas: Energie wird in diesem Jahr immer teurer. So rechnet der Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Michael Feist, mit einem weiteren massiven Gaspreisanstieg. "Ich denke, dass die Preise sich in einer Größenordnung von 20 Prozent verteuern, je nachdem wie die Unternehmen eingekauft haben", sagte Feist im ARD-Morgenmagazin.
Gasherd: Koppelung an den Ölpreis
Nach SPIEGEL-Informationen könnten die Gaspreise beim Marktführer E.on Ruhrgas sogar um bis zu 25 Prozent steigen. Darüber hinaus erhöhen mehr als hundert Stadtwerke ihre Preise, zum Teil um 17 Prozent.
Auch langfristig machte Feist den Verbrauchern kaum Hoffnung: "Wir können erwarten, dass die Zeit der billigen Energie erst mal vorbei sein wird. Der Preis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem heutigen hohen Niveau bleiben." Ob es nach den angekündigten Preiserhöhungen im Sommer zu einer weiteren Preisrunde im Herbst kommen könnte, sei noch unklar.
Immerhin könnte es demnächst mehr Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt geben. Dafür könnte eine Einigung zwischen dem Energiekonzern RWE und der EU-Kommission sorgen. Laut "Handelsblatt" ist RWE offenbar bereit, große Teile seines Gasnetzes abzugeben, um einen monatelangen Kartellstreit mit Brüssel zu beenden. Derzeit verhandele die EU-Kommission mit dem Konzern über eine Abgabe der Überlandleitungen für den Gastransport, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Insider. Im Gegenzug soll die Wettbewerbsbehörde ein laufendes Kartellverfahren beilegen.
Der Bundesregierung, die sich bislang gegen die Aufspaltung der Energiekonzerne zur Wehr setzt, bricht damit die Basis ihres Widerstands weg. Denn in der Auseinandersetzung um die Entflechtung der Energiekonzerne hat auch E.on bereits zugesagt, sich von seinem Hochspannungsnetz für Strom zu trennen.
Mögliche Einigung zwischen Berlin und Brüssel
Die EU-Kommission drängt seit rund zwei Jahren auf eine Entflechtung der großen Energiekonzerne, indem der Netzbetrieb von Produktion und Vertrieb getrennt wird. Die oberste EU-Behörde will so den schleppenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt in Schwung bringen. Vor allem in Deutschland stieß sie mit ihren Plänen auf Widerstand.
Möglicherweise deutet sich nun aber ein Kompromiss zwischen Berlin und Brüssel ab. So könnten die Energienetze in einer großen, deutschlandweiten Gesellschaft zusammengefasst werden. Produktion und Vertrieb wären damit getrennt. "Die Gründung einer deutschen Netzgesellschaft ist prinzipiell ein akzeptabler Weg, um unsere Auflagen zu erfüllen", sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs der "Süddeutschen Zeitung". Wichtig seien allerdings die Details. Keiner der Eigentümer dürfe dominierenden Einfluss auf die Gesellschaft haben, sagte der EU-Kommissar.
Damit nähern sich Brüssel und Berlin gut eine Woche vor dem entscheidenden Treffen der EU-Energie- und Wirtschaftsminister in Luxemburg an. Unabhängige Unternehmer, so die Überlegung der Kommission, könnten den Wettbewerb auf dem europäischen Strom- und Gasmarkt erhöhen und überzogene Verbraucherpreise verhindern.
wal/dpa-AFX/ddp
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