Bonn - Das Bundeskartellamt untersucht den Wettbewerb auf den Märkten für Benzin und Diesel. Grund seien Beschwerden von Verbrauchern und von freien Tankstellenbetreibern, teilte die Wettbewerbsbehörde in Bonn mit. Viele Autofahrer würden der Preisbildung an Tankstellen grundsätzlich misstrauten. Daneben gebe es aber auch Anschuldigungen von Betreibern freier Tankstellen, die den großen Gesellschaften Marktverzerrung vorwerfen.
Bei der Prüfung sollen nun die generellen Marktbedingungen beleuchtet und mögliche Wettbewerbsverzerrungen identifiziert werden. Sollten sich Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ergeben, werde man handeln, teilte das Kartellamt mit. Schnelle Ergebnisse sind indes nicht zu erwarten: Ein erster Zwischenbericht der Untersuchung soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.
In einer Entscheidung vom März hatte das Kartellamt bereits festgestellt, dass die deutschen Tankstellenmärkte von einem "marktbeherrschenden Oligopol" geprägt seien. Geplant ist laut Kartellamt nun eine sogenannte Sektoruntersuchung. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht die Benzinpreise für die Autofahrer, sondern zunächst die Großhandelsmärkte.
Ein weiterer Anlass für die Untersuchung war laut Kartellamt der Zusammenschluss der ostdeutschen Go-Tankstellen der Hanseatic Petrol Vertriebs GmbH (HPV) mit Shell
. Jetzt entfielen in Deutschland rund 73 Prozent des Kraftstoffabsatzes auf die Unternehmen Shell, BP (Aral), ConocoPhillips
(Jet), Exxon Mobil
(Esso) und Total
.
Weitere Gegenstände der Untersuchung sind die wettbewerblichen Auswirkungen von Tankkarten-Systemen und von Markenpartnerverträgen.
wal/Reuters/AFP/ddp
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