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29.05.2008
 

Insider-Affäre

Auch Airbus-Chef Enders soll vorgeladen werden

Die französischen Behörden gehen in der EADS-Affäre rigoros vor. Erst setzten die Ermittler Ex-Konzernchef Forgeard fest, jetzt soll laut einem Pressebericht auch der amtierende Airbus-Chef Enders vorgeladen werden - ebenso wie weitere Top-Manager.

Hamburg - Nach außen gibt sich EADS Chart zeigen gelassen, doch im Inneren des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns dürfte es gewaltig brodeln. Erst am gestrigen Mittwoch hatten französische Ermittler den früheren Co-Chef Noël Forgeard für ein Verhör in Gewahrsam genommen. Doch jetzt müssen auch amtierende Spitzenmanager mit ähnlich harten Maßnahmen rechnen.

Laut "Süddeutsche Zeitung" soll der Chef der EADS-Tochter Airbus, Thomas Enders, schon "in Kürze" vorgeladen werden. Nach französischem Recht können Verdächtige für ein Verhör 48 Stunden festgehalten werden - erst danach müssen sie einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Die Ermittler verdächtigen Forgeard, Enders und 15 weitere amtierende oder frühere EADS-Manager des Insiderhandels. Sie sollen frühzeitig von Problemen beim Prestigeprojekt A380 gewusst und dieses Wissen für Insidergeschäfte genutzt haben. Alle Verdächtigen haben Aktienoptionen eingelöst, bevor die A380-Schwierigkeiten bekannt gegeben wurden. Als die Nachricht endlich die Märkte erreichte, stürzte der EADS-Aktienkurs um 26 Prozent ab.

Die "SZ" berichtet, dass neben Enders auch der ehemalige Airbus-Chef Gustav Humbert vorgeladen werden soll. Seine Vernehmung stehe "im Juni" an. Außerdem müsse Stefan Zoller, der Leiter der EADS-Verteidigungssparte, mit einer Vorladung rechnen. Insgesamt beschuldigt die französische Börsenaufsicht AMF 17 natürliche und zwei juristische Personen, in die Insider-Affäre verstrickt zu sein. Die Internetzeitung "Mediapart" hat die Namen der Verdächtigen im April genannt.

  • Aus dem früheren Airbus-Exekutivkomitee sind das: Gustav Humbert (ehemaliger Co-Chef), John Leahy (noch amtierend), Olivier Andriès, Charles Champion, Henri Courpron, Alain Flourens, Erik Pillet, Andreas Sperl und Thomas Williams (noch amtierend).
  • Folgende Verdächtige waren Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees: Fabrice Brégier (heute Airbus-Vizechef), François Auque (Leiter der Division Astrium), Ralph Crosby (Leiter EADS Nordamerika), Jussi Itavuori (Personalchef) und Stefan Zoller (Leiter der Verteidigungssparte).
  • Ermittelt wird außerdem gegen Personen, die ebenfalls Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees waren und gleichzeitig im Airbus-Aufsichtsrat saßen: Noël Forgeard (damals EADS-Co-Chef), Thomas Enders (heute Airbus-Chef) und Jean-Paul Gut (ehemaliger Markenvorstand).
  • Hinzu kommen die beiden Hauptaktionäre Lagardère und Daimler. Beide Unternehmen sollen frühzeitig von den A380-Problemen erfahren und daraufhin ebenfalls Aktien verkauft haben.

Theoretisch droht allen Verdächtigen das gleiche Schicksal wie Forgeard. Das heißt, sie könnten von den Behörden vorgeladen und nach französischem Recht 48 Stunden festgehalten werden.

Neben den genannten 17 Personen könnte dies auch Vertreter der Großaktionäre Lagardère und Daimler treffen. Laut "Süddeutsche Zeitung" muss mit einer Vorladung zum Beispiel Rüdiger Grube rechnen, der als Repräsentant von Daimler dem EADS-Verwaltungsrat vorsitzt.

Die Unternehmen EADS und Airbus halten sich zu der Affäre äußerst bedeckt. Die Ermittlungen der französischen Behörden seien eine "Privatangelegenheit der Betroffenen", sagte ein EADS-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Dies gelte selbst dann, wenn es sich um amtierende Spitzenmanager handele. "Wir können nicht jeden einzelnen Ermittlungsschritt kommentieren."

Bei Airbus heißt es, man äußere sich nicht "zu Spekulationen". Dass Verdächtige über Nacht in Gewahrsam genommen werden, sei "in Frankreich ein übliches Verfahren, um Verhöre zu erleichtern".

Ganz so leicht dürften es die betroffenen Spitzenmanager allerdings auch nicht nehmen. So bleibt der am gestrigen Mittwoch festgenommene Forgeard vorerst in Polizeigewahrsam. Die Pariser Finanzpolizei verlängerte die Maßnahme am heutigen Donnerstag um weitere 24 Stunden bis zum morgigen Freitag.

Sollte der Franzose Forgeard auspacken, könnte es für den Deutschen Enders eng werden, schätzen Experten. Beide lieferten sich seinerzeit an der EADS-Spitze einen erbitterten Machtkampf.

wal

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17.03.2008 von Jochen Binikowski:

Na ja, vieleicht sind die Jungs bei Boeing nur ein wenig aus der Übung, die B-787 ist ja wohl die erste Neuentwicklung seit ca. 12 Jahren. Und möglicherweise waren die weisen Airbus - Oberhäuptlinge auf der selben Elite-Uni wie [...] mehr...

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