Von Kristin Joachim
Hamburg - Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben in diesen Tagen mit der Europameisterschaft. Fußball gilt als vermeintlicher Verkaufsmotor - und zum Fußball gehören Italiener einfach dazu.
Das zumindest hat man sich bei der Elektronik-Kette Media-Markt gedacht. In ihrem neuesten TV-Spot hat "Toni der Italiener", gespielt vom Comedian Olli Dittrich, die Hauptrolle.
Er wuselt durch die Gänge einer Media-Markt-Filiale und preist dem Zuschauer wenige Tage vor der Europameisterschaft mit italienischem Akzent und einer sehr durchsichtigen Verkaufstaktik verschiedene Flachbildfernseher an.
Toni trägt eine überdimensionierte Sonnenbrille im Haar, eine Goldkette um den Hals und einen Drei-Tage-Bart im Gesicht. Toni ist ein Macho, schmierig und frauenfeindlich - das Klischee eines Italieners - das in Bella Italia schlecht ankommt. Die italienischen Tageszeitungen "Corriere della Sera" und "La Repubblica" nannten die insgesamt vier Werbespots mit "Toni" extrem klischeebehaftet.
Auch in Deutschland lebende Italiener haben sich bei Media-Markt über die Kampagne beschwert. Besondere Verärgerung löste einer der Spots aus, in dem "Toni" die Unterschiede zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Alpen erklärt: "Die Deutsche kaufe Lappetoppe, die Italiener kaufe Schiedsrichter". Obwohl darauf noch "kleiner Scherz" von Toni folgt, sind die Reaktionen wenig humorvoll.
Media-Markt hat am vergangenen Montag Konsequenzen gezogen und den Spot mit dem gekauften Schiedsrichter aus dem Programm genommen. Das solle als Kompromiss verstanden werden, denn ganz werde man die Kampagne nicht stoppen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens SPIEGEL ONLINE. "'Toni' ist ein fiktiver Charakter und steht nicht für reale Personen oder Personengruppen. Wir wollen mit dieser überzeichneten Darstellung in keinster Weise einzelne Personen oder Personengruppen beleidigen oder bloßstellen."
Die Figur "Toni" existiert schon länger neben anderen stark karikierten Figuren im Werbe-Repertoire von Media-Markt. Sie alle werden vom Comedian Olli Dittrich gespielt. Für die Fußball-Europameisterschaft passe "Toni" am besten ins Konzept, erklärte die Media-Markt-Sprecherin. Die Kampagne wird von der Hamburger Agentur Kempertrautmann begleitet.
Auf anderen Social Networks posten:
Woher nehmen Sie Ihre Sicherheit, dass das Klientel der Bildzeitung ungebildet sei ;) Ich erwarte einfach von jedem mündigen Bürger mehr Differenziertheit als immer nur Klischees bedienen zu wollen. Und dafür muss man [...] mehr...
Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht das sich hier eine gebildertere und kultiviertere Klientel als z.B. bei den Bildzeitungslesern herumtumelt ? mehr...
Ich finde es schon sehr bemerkenswert, wie "angeblich" gebildete und kultivierte Menschen, fast eine Woche über Werbung und das Sommerloch italienischer Printmedien diskutieren und sich dabei auch hier von der Redaktion [...] mehr...
Sagte er und verglich die Deutschen mit Bewohnern anderer Nationalitäten. Denn wie sollte man sonst eine "Deutsche Krankheit" konstatieren ? Zum Piepen. mehr...
Gibt es denn eigentlich einen "rassischen" Unterschied zwischen Deutschen und Italienern? mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH