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30.05.2008
 

Ablösung für Mehdorn

Utz Claassen als neuer Bahn-Chef im Gespräch

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn bereitet offenbar einen Wechsel an der Konzernspitze vor. Laut einem Pressebericht soll Ex-EnBW-Chef Claassen das privatisierte Verkehrsunternehmen ab 2010 leiten. Insider dementieren - doch Konzernchef Mehdorn ist angezählt.

Düsseldorf - Hartmut Mehdorn, der wie kein anderer die Privatisierung des Unternehmens vorangetrieben hat, soll die Früchte seiner Arbeit nicht mehr ernten dürfen: Schon bald nach der Privatisierung soll er den Vorstandsvorsitz der Verkehrsgesellschaft abgeben.

Top-Manager Claassen: Harter Sanierungskurs bei EnBW
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Top-Manager Claassen: Harter Sanierungskurs bei EnBW

Nachfolger könnte der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen, Utz Claassen, werden. Das berichtet zumindest die "Rheinische Post". Ab 2010 solle er den privatisierten Teil der Deutschen Bahn leiten, die Verkehrsgesellschaft "Mobility & Logistics". Dies strebe Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller an, berichtet die Zeitung.

In Berlin wird seit längerem über eine mögliche Ablösung Mehdorns spekuliert. Den Gerüchten zufolge ist Claassen aber nur einer von mehreren möglichen Nachfolgekandidaten.

Bahn-Aufsichtsratschef Müller dementierte den Bericht der "Rheinischen Post". "Es handelt sich noch nicht einmal um ein gutes Gerücht", erklärte Müllers Sprecher. Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sagte: "Diese Information ist zu dementieren, das ist falsch." In Claassens Umfeld heißt es, der Manager habe kein Interesse an dem Bahn-Job und stehe daher nicht zur Verfügung. Ein Bahn-Sprecher erklärte, zu Personalien werde grundsätzliche keine Stellungnahme abgegeben.

Dass Mehdorn angezählt ist, gilt indes als sicher. So hatte der SPIEGEL schon vor Wochen über eine mögliche Ablösung Mehdorns in der Verkehrsgesellschaft berichtet. Für den Bahn-Patriarchen wäre dies ein Affront. Die Privatisierung des Konzerns war in den vergangenen Jahren sein wichtigstes Projekt - und trotzdem soll er nun den mächtigsten Posten im Unternehmen aufgeben.

Laut "Rheinischer Post" soll Mehdorn bis Ende 2009 sowohl die bundeseigene Dachgesellschaft als auch die privatisierte Verkehrsgesellschaft führen. Ab 2010 bliebe ihm dann nur noch der Chefposten in der Holding - ein Amt, das vor allem Kontrollaufgaben beinhaltet und nur wenig Gestaltungsspielraum lässt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Mehdorn in diesem Fall ganz aufgeben würde.

Der Spitzenmanager Claassen ist nicht unumstritten. Beim Energiekonzern EnBW hat er einen harten Sanierungskurs gefahren. Das Unternehmen wurde dadurch erfolgreich auf Rendite getrimmt, bei den Mitarbeitern war Claassen dagegen äußerst unbeliebt. Der Spitzenmanager gilt als enger Freund von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD).

In die Schlagzeilen geriet Claassen zuletzt wegen der WM-Ticket-Affäre. EnBW hatte in seiner Amtszeit Fußballeintrittskarten an Spitzenpolitiker verschenkt. Die Staatsanwaltschaft wirft Claassen deshalb Vorteilsgewährung vor. Das Landgericht Karlsruhe hat ihn freigesprochen, derzeit warten die Prozessbeteiligten aber noch auf eine Revision vor dem Bundesgerichtshof.

Die "Rheinische Post" berichtet außerdem, dass der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann (SPD), einen Vorstandsposten bei der Holding der Deutschen Bahn erhalten soll.

Großmann wäre nicht der erste Politiker, der zur Bahn wechselt. Mehdorn hatte unter anderem den früheren bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) in den Vorstand des Konzerns geholt.

An diesem Freitag soll die Teilprivatisierung der Bahn im Bundestag beschlossen werden. Die Koalition hatte dort einen Entschließungsantrag eingebracht, ein formelles Gesetz ist für den Börsengang nach Ansicht der Bundesregierung nicht notwendig. Es wird trotz Gegenstimmen auch aus den Koalitionsparteien mit einem klaren Ja zur Privatisierung gerechnet.

Geplant ist zunächst die Privatisierung von 24,9 Prozent des Personen- und Güterverkehrs, die Union wünscht sich später aber einen Privatanteil von 49,9 Prozent. Bahnhöfe und Schienennetz bleiben ganz in Staatshand.

wal/AFP

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