Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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03.06.2008
 

Bauern-Streik

Gewerkschaft fürchtet Jobverlust in Milchwirtschaft

Harte Worte statt Verständnis: Die Gewerkschaft NGG hat harsche Kritik am Streik der Milchbauern geübt. Der Lieferboykott bringe Jobs in Gefahr. Auch die Molkereien schlagen Alarm - eine hat mehrere Bauern nun sogar angezeigt.

Hamburg - Franz-Josef Möllenberg ist empört: "Es kann nicht angehen, dass ein hochwertiges Lebensmittel wie Milch vernichtet wird und Arbeitnehmer in der Milchwirtschaft von Kurzarbeit oder gar von Arbeitsplatzverlust betroffen sind", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hamburg. Der Lieferboykott habe bereits zu Produktionseinschränkungen in milchverarbeitenden Betrieben geführt. Schuld am Desaster sind aber auch für Möllenberg nicht die Bauern, sondern der Preisdruck, den der Handel ausübt.

Aus einem Tankanhänger versprüht ein Landwirt frisch gemolkene Milch auf dem Acker: Die Gewerkschaft NGG gibt sich empört über die Vernichtung der Lebensmittel
DPA

Aus einem Tankanhänger versprüht ein Landwirt frisch gemolkene Milch auf dem Acker: Die Gewerkschaft NGG gibt sich empört über die Vernichtung der Lebensmittel

Der Lieferboykott der Milchbauern zeigt auch in den Supermärkten immer stärkere Wirkung. Der drittgrößte deutsche Discounter "Plus" meldet erste Probleme beim Füllen des Kühlregals. In einzelnen der rund 2900 deutschen Filialen sei es zu "punktuellen Ausfällen" bei einzelnen Milchprodukten gekommen, sagte eine Sprecherin der Tengelmann-Tochter in Mülheim an der Ruhr. "Wenn der Lieferboykott ausgeweitet wird, kann es zu schrumpfenden Beständen kommen", so die Sprecherin. Dies sei jedoch auch vom Verhalten der Verbraucher abhängig.

Auch der Sprecher des Einzelhandelsverbandes Niedersachsen, Ullrich Thiemann, berichtet von Engpässen in Supermärkten. Schuld seien allerdings nicht die Bauern, sondern die Kunden, die anfangen, Milch zu horten. Größere Lücken im Regal seien aber nicht zu befürchten, beruhigt Thiemann. Die Molkereien lieferten nach wie vor genügend Milch, Joghurt und Käse. Thiemann sprach sich für ein schnelles Ende des Lieferboykotts aus. Eine Fortsetzung könne die einheimischen Milchbauern ruinieren.

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DER SPIEGEL
Seit vergangenem Dienstag protestieren Bauern mit einem Lieferboykott gegen die Milchpreise, die aus ihrer Sicht zu niedrig sind. Die Landwirte fordern bundesweit einen Literpreis von 43 Cent. Derzeit werden je nach Region zwischen 27 und 35 Cent gezahlt.

Erste Molkereien haben schon Produktionsprobleme. Die Hochwald-Molkerei im osthessischen Hünfeld hat am Dienstag den Betrieb bereits stoppen müssen. Die Bremer Nordmilch AG hat auf die Blockade ihres Magdeburger Standortes durch Milchbauern mit einer Anzeige wegen Nötigung und Hausfriedensbruchs reagiert. Die Anzeige sei am Montagnachmittag eingegangen, nachdem der Zugang zum Magdeburger Milchhof erneut von protestierenden Bauern versperrt worden sei, teilte die Polizei am Dienstag mit. Auch am Dienstagmorgen versammelten sich wieder Landwirte mit fünf Traktoren vor dem Gelände. Nach Angaben der Polizei dürfen die Bauern weiterhin vor dem Milchhof demonstrieren, jedoch ohne die Einfahrt zu blockieren.

Zuvor hatte schon der Milchindustrie-Verband (MIV) vor möglichen Engpässen gewarnt. Schon an diesem Dienstag, spätestens aber am morgigen Mittwoch sei "Schicht", warnte Geschäftsführer Eckhard Heuser in der "Financial Times Deutschland". Dann seien erste Ausfälle zu erwarten. Die Großmolkerei Ehrmann zum Beispiel muss ihre Produktion an diesem Dienstag schon einstellen, falls die Blockaden der beiden Werke andauern. Dies berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die Geschäftsführung.

Nach Einschätzung des Milchindustrie-Verbands haben die Bauern in den vergangenen Tagen weniger als die Hälfte der sonst üblichen Milchmenge geliefert.

Auch mit dem Bundeskartellamt könnten die Bauern Ärger bekommen. Die Behörde prüfe, ob der Aufruf des Bundesverbands der Milchviehhalter zum Lieferstopp als Boykottaufruf zu werten sei, sagte Sprecherin Silke Kaul dem "Tagesspiegel". Dies sei nach Paragraph 21 des Wettbewerbsgesetzes rechtswidrig. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohten dem Verband Bußgelder in Millionenhöhe.

Nur punktuell entschärft sich die Situation: In Witzdorf bei Husum etwa rollen die Milchtransporte wieder. Fast fünf Tage war die Osterhusumer Molkerei von Bauern blockiert, etwa 200 Mann parkten mit Traktoren und Heuwagen die Einfahrt zu. Doch seit wenigen Stunden ist der Weg wieder frei. "Wir wollten den Betrieb nicht in den Ruin treiben, deswegen haben wir den Streik erst mal ausgesetzt", sagt einer der Landwirte. Aber der Boykott ist damit noch nicht endgültig vorbei: "Wir warten nur auf die Ergebnisse aus Berlin."

In der Schweiz gab es unterdessen eine grundsätzliche Einigung. Die dortigen Milchproduzenten konnten mit ihren Protesten eine Preiserhöhung durchsetzen: Zum 1. Juli erhalten die Bauern pro Kilo Milch sechs Rappen (knapp vier Cent) mehr. Diesen Kompromiss handelte der Verband Schweizer Milchproduzenten in der Nacht zum Dienstag mit den Molkereien aus. Der neue Preis gelte fest für sechs Monate.

ase/cvk/dpa-AFX/dpa/AFP/AP

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