Frankfurt am Main - Es ist die Sorge um die Konjunktur, die die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst von einer Zinserhöhung absehen lässt. Die Folgen der Finanzkrise, die drohende US-Rezession und der starke Euro bremsen das Wirtschaftswachstum in der Eurozone und scheinen die Sorgen um die Inflation noch zu übertreffen.
Dabei ist die Teuerungsrate im Euroraum auf Rekordniveau: Wegen des hohen Ölpreises lag sie in den 15 Euro-Ländern im Mai bei 3,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit der Euro-Einführung 1999 - und er liegt weit über der Marke von zwei Prozent, bei der die EZB Preisstabilität definiert.
Entsprechend deutlich wurde EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstagnachmittag. Recht unverblümt deutete er eine Zinserhöhung im kommenden Monat an. "Für Juli schließen wir eine Zinserhöhung nicht aus", sagte er nach der Ratssitzung. Damit wollen die Währungshüter die hohe Inflation dämpfen. "Wir sind in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft", sagte Trichet.
An der Börse lösten diese Äußerungen deutliche Kursverluste aus. Höhere Zinsen dämpfen tendenziell das Wirtschaftswachstum, der Dax
drehte deshalb 0,4 Prozent ins Minus. Der Euro legte indes zu. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich um fast einen Cent auf 1,5478 Dollar.
"Trichet hat für Juli eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt. So eindeutig hat er das noch nie getan", sagte HSBC-Trinkaus-Analystin Antje Hansen. Norbert Braems von Sal. Oppenheim sagte: "Ich war überrascht, dass sich Trichet so deutlich ausdrückt. Die Passage zur Alarmbereitschaft zeigt, dass die EZB sehr besorgt ist. Das ist ein Signalwort, dass eine Zinserhöhung bevorsteht."
Trichets deutliche Worte werden von den Prognosen der EZB-Volkswirte untermauert. Diese erwarten in diesem Jahr eine Teuerungsrate von 3,4 Prozent in der Währungsunion. Im März waren sie noch von 2,9 Prozent ausgegangen. Die EZB sieht mittelfristig nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent Preisstabilität gewährleistet.
Beim Wirtschaftswachstum ist die EZB wegen des guten Jahresauftakts etwas optimistischer für 2008. Sie erwartet in diesem Jahr 1,8 statt 1,7 Prozent Wachstum. 2009 werde sich der Zuwachs allerdings abschwächen auf 1,5 statt der zunächst prognostizierten 1,8 Prozent.
ase/walAP/dpa/Reuters
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