Von Markus Verbeet, Brüssel
Die Mitarbeiter des Europäischen Patentamts könnten zufrieden sein. In München kann man gut leben, im Patentamt gut verdienen. Doch in der bedeutendsten europäischen Organisation auf deutschem Boden herrscht richtig dicke Luft: Die Mitarbeiter haben das Vertrauen in ihre obersten Führungsgremien fast vollständig verloren.
Europäisches Patentamt in München: Die meisten Angestellten sind unzufrieden
Ein desaströses Ergebnis für das Kontrollorgan, das seit Jahren in der Kritik steht. Im Juni 2007 etwa hatten Personalvertreter die Befürchtung geäußert, dass der Verwaltungsrat "finanzielle Eigeninteressen" verfolge: Viele Mitglieder stammen aus den nationalen Patentämtern, denen die Hälfte der Patent-Jahresgebühren zusteht. Deshalb würden sie das Augenmerk "mehr auf die Quantität und nicht so sehr auf die Qualität der erteilten Patente" legen, kritisierten die Personalvertreter in einem internen Dokument.
Aus ähnlichem Grund war es zuvor sogar zum offenen Streit gekommen. Im Herbst 2006 traten weit über tausend Patentprüfer in einen Streik. Ihre Proteste richteten sich gegen ein neues Beurteilungssystem mit jährlichen Leistungsvorgaben: Es sollte festgelegt werden, wie viele Patentanträge die Prüfer pro Jahr bearbeiten sollten. Dadurch sei die Qualität der Patentprüfungen gefährdet, kritisierte die Internationale Gewerkschaft im Europäischen Patentamt.
Heute herrscht weiter mieseste Stimmung – trotz der meist guten Bezahlung an den attraktiven Standorten München, Wien, Berlin, Den Haag und Brüssel. Die aktuelle Umfrage unter den 6500 Mitarbeitern zeigt: Nicht einmal jeder zweite Angestellte empföhle einem guten Freund, der einen Job sucht, die eigene Institution als Arbeitgeber.
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