Wirtschaft



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07.06.2008
 

Personalumfrage

Tausende Patentamt-Mitarbeiter sind genervt von Chefetage

Von Markus Verbeet, Brüssel

Miese Stimmung in den Büros des Europäischen Patentamts: Fast alle Angestellten der Mammutorganisation haben kein Vertrauen in ihre Führungsetage. Einer Umfrage zufolge würde nicht einmal jeder zweite Mitarbeiter seinen Arbeitgeber weiterempfehlen.

Die Mitarbeiter des Europäischen Patentamts könnten zufrieden sein. In München kann man gut leben, im Patentamt gut verdienen. Doch in der bedeutendsten europäischen Organisation auf deutschem Boden herrscht richtig dicke Luft: Die Mitarbeiter haben das Vertrauen in ihre obersten Führungsgremien fast vollständig verloren.

Europäisches Patentamt in München: Die meisten Angestellten sind unzufrieden
DPA

Europäisches Patentamt in München: Die meisten Angestellten sind unzufrieden

Das zeigt eine Umfrage unter den mehreren tausend Mitarbeitern am Hauptsitz in München und in den vier Zweigstellen. Nur sechs Prozent der Mitarbeiter sind demnach zufrieden mit dem Management Committee, in dem unter anderem die Präsidentin Alison Brimelow und ihre fünf Vizepräsidenten sitzen. Noch schlechter schneidet der Verwaltungsrat ab, der das Patentamt überwacht und dem vor allem Vertreter der Mitgliedstaaten angehören: Er kommt auf gerade einmal vier Prozent Zustimmung – nur jeder 25. Mitarbeiter ist mit dem Rat zufrieden.

Ein desaströses Ergebnis für das Kontrollorgan, das seit Jahren in der Kritik steht. Im Juni 2007 etwa hatten Personalvertreter die Befürchtung geäußert, dass der Verwaltungsrat "finanzielle Eigeninteressen" verfolge: Viele Mitglieder stammen aus den nationalen Patentämtern, denen die Hälfte der Patent-Jahresgebühren zusteht. Deshalb würden sie das Augenmerk "mehr auf die Quantität und nicht so sehr auf die Qualität der erteilten Patente" legen, kritisierten die Personalvertreter in einem internen Dokument.

Aus ähnlichem Grund war es zuvor sogar zum offenen Streit gekommen. Im Herbst 2006 traten weit über tausend Patentprüfer in einen Streik. Ihre Proteste richteten sich gegen ein neues Beurteilungssystem mit jährlichen Leistungsvorgaben: Es sollte festgelegt werden, wie viele Patentanträge die Prüfer pro Jahr bearbeiten sollten. Dadurch sei die Qualität der Patentprüfungen gefährdet, kritisierte die Internationale Gewerkschaft im Europäischen Patentamt.

Heute herrscht weiter mieseste Stimmung – trotz der meist guten Bezahlung an den attraktiven Standorten München, Wien, Berlin, Den Haag und Brüssel. Die aktuelle Umfrage unter den 6500 Mitarbeitern zeigt: Nicht einmal jeder zweite Angestellte empföhle einem guten Freund, der einen Job sucht, die eigene Institution als Arbeitgeber.

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