Hamburg - Der Chef gibt sich zerknirscht. "Wir erwägen, einen externen Datenschützer zu beauftragen", sagte Hans Jürgen Stephan, Geschäftsführer der Beratungsfirma Control Risk Group (CRG) der "Financial Times Deutschland". Zudem würden die rund 30 Mitarbeiter im Berliner Büro für das Thema sensibilisiert.
Außerdem hat die deutsche Niederlassung der CRG-Group inzwischen ihre Ermittlungsabteilung aufgelöst - und will sich laut Stephan die Beratung von Unternehmen konzentrieren, die sich gegen Sicherheitsrisiken schützen wollen.
Damit reagiert die CRG auf die Telekom-Affäre, in die die Firma verwickelt ist: Das Unternehmen hatte im Auftrag der Telekom
einen Journalisten bespitzelt, da der ehemalige Staatskonzern Informationslecks im Aufsichtsrat stopfen wollte. Deshalb hatte der Konzern eine Detektei beauftragt, den "FTD"-Journalisten Tasso Enzweiler zu beschatten.
Offenbar haben dabei alle Kontrollmechanismen bei der Detektei versagt. CRG-Chef Stephan, der die Niederlassung erst seit Mitte 2007 führt, distanziert sich in der "FTD" von der damals üblichen Praxis: "Wenn die Vorwürfe stimmen, ist das nicht unser Selbstverständnis. Das wäre kriminelles Verhalten." Auch vor dem Hintergrund der Pressefreiheit sei eine derartige Observierung nicht akzeptabel.
Wie genau im Auftrag der Telekom gearbeitet wurde, lässt sich laut Stephan jedoch nicht mehr nachvollziehen. Die meisten Unterlagen seien vernichtet worden. "Ich weiß nicht, was genau gemacht wurde" sagt Stephan. Die Mitarbeiter, die im Jahr 2000 für die Ermittlungsabteilung verantwortlich waren sowie die betreffenden Mitarbeiter hätten das Unternehmen 2002 und 2003 verlassen. Die einzigen Belege sind Stephan zufolge Geschäftsbeziehungen zur Telekom und zur Detektei Desa, die ebenfalls den Journalisten Enzweiler beschattete. Laut dem CRG-Chef Stephan sind mittlerweile sämtliche Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben worden.
cvk
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