Wirtschaft



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11.06.2008
 

Eingeständnis

Pierer räumt "politische Verantwortung" für Siemens-Skandal ein

Sein Name steht für den größten Schmiergeld-Skandal der deutschen Unternehmensgeschichte - Siemens-Chef Heinrich von Pierer. Von strafrechtlichen Ermittlungen blieb der einstige Topmanager zwar verschont. Dennoch gestand er jetzt in einem Interview erstmals eine politische Verantwortung ein.

München - Seinen einstmals untadeligen Ruf als Vorzeigemanager der deutschen Wirtschaft wird Heinrich von Pierer nicht mehr herstellen können. Aber möglicherweise dient das Eingeständnis seinem Ruf als Ehrenmann. "Wahrscheinlich hätte ich deutlicher sagen sollen, dass ich die politische Verantwortung trage für die Dinge, die während meiner Amtszeit geschehen sind", sagte von Pierer der Wochenzeitung "Die Zeit".

Ex-Siemens-Chef von Pierer: Die Sache geradeheraus angehen
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Ex-Siemens-Chef von Pierer: Die Sache geradeheraus angehen

"Ich dachte, das bringe ich mit meinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender deutlich genug zum Ausdruck." Pierer war von 1992 bis 2005 Siemens-Chef und trat danach an die Spitze des Aufsichtsrats. Im Zuge der Korruptionsaffäre war er im April 2007 zurückgetreten.

In dem Schmiergeld-Skandal geht es um dubiose Zahlungen von 1,3 Milliarden Euro, die im Ausland zur Erlangung von Aufträgen eingesetzt worden sein sollen. Vor dem Landgericht München I läuft derzeit der erste Strafprozess um die Schmiergeld-Affäre, in dem auch von Pierer am 20. Juni als Zeuge geladen ist.

Angeklagt ist in dem Prozess ein früherer Manager der Siemens-Festnetzsparte ICN wegen Untreue in 58 Fällen. Er hatte zu Beginn den Aufbau eines Systems schwarzer Kassen im früheren Siemens-Kommunikationsbereich sowie die Abwicklung von Zahlungen eingeräumt. Mehrere andere Mitglieder der ehemaligen Siemens-Führungsspitze hatten bereits angekündigt, dass sie die Aussage in dem Prozess verweigern wollen. Dazu gehören auch die früheren Zentralvorstände Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt, die als Beschuldigte im Siemens-Verfahren geführt werden.

Von Pierer sagte dazu der "Zeit", er dagegen würde gerne "die Sache geradeheraus angehen" und ergänzte: "Wenn man zu so etwas hingeht, dann durch den Haupteingang und nicht hintenrum."

Der Manager selbst war bisher um strafrechtliche Ermittlungen herumgekommen, gegen ihn und andere Mitglieder der ehemaligen Konzern-Führungsspitze wird aber wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt. Dies wäre eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro geahndet werden könnte.

Zusätzlich prüft ein Ausschuss des Siemens-Aufsichtsrates mögliche Schadenersatzansprüche gegen die verantwortlichen Manager des Konzerns. Zuletzt hieß es dazu in einem Zeitungsbericht, die Rechtsabteilung des Konzerns habe ehemalige Spitzenleute wie Ex-Finanzchef Neubürger und Ex- Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann schriftlich aufgefordert, keine Verjährung gegen etwaige Schadenersatzklagen geltend zu machen.

Bei einem öffentlichen Auftritt Ende vergangenen Jahres hatte von Pierer die Affären bei Siemens als bedauerlich bezeichnet und zugleich erklärt, diese würden vom Konzern energisch aufgearbeitet. Näher war er auf den Korruptionsskandal, der das Unternehmen in eine tiefe Krise gestürzt hatte, nicht eingegangen.

mik/dpa/AFP

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